Neue Leitung für das „chance.natur“-Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“

Interview mit dem Projektleiter Helmut Schuler vom Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen

Was hat Sie auf Anhieb an dem Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ gereizt?

Bereits bei der umfassenden Antragstellung sah ich eine große Chance darin, die Projekte, die ich im Biosphärenreservat bereits initiiert und lange betreut hatte – wie Beweidungsprojekte, die Pfälzerwald-Lamminitiative und zum Teil die Regionalvermarktung –,in einem größeren Stil mit dem sehr gut ausgestatteten Förderprogramm „chance.natur“ des Bundesamts für Naturschutz (BfN) weiterzuentwickeln. Besonders reizvoll erschien mir die Chance, etwas Sinnvolles, beispielsweise für das weltweit aktuelle Thema des Artenverlusts, aber auch für die wirtschaftenden Betriebe, auf großer Fläche für die Region bewegen zu können. Auch emotional fühle ich mich dem Projekt und dem Pfälzerwald als echter Pfälzer und passionierter Wanderer von Kindesbeinen an sehr verbunden.

Aus diesem Grund hatte ich mich für die Übernahme der Projektleitung Anfang März dieses Jahres entschlossen, nachdem die Stelle zwischenzeitlich vakant war. Für ein solches Großprojekt bietet der Pfälzerwald mit seinen großräumigen und weitgehend häufig unzerschnittenen Landschaften und seiner vielfältigen Biotop- und Artenausstattung gerade im Grünlandbereich den idealen Rahmen. Andererseits kenne ich bereits viele Akteure und potentielle Maßnahmenflächen im Pfälzerwald, deren Zustand aus ökologischer Sicht zu verbessern wäre. Dank meiner mehrjährigen Erfahrung beim Biosphärenreservat, die ich gerne in das Projekt einfließen lasse, und meiner guten Kontakte zu den Verantwortlichen vor Ort weiß ich, wo in den Gemeinden der Schuh drückt. Hier ist vor allem die Entwicklung einer attraktiven Kulturlandschaft ein großes Anliegen. Diese Zielsetzung geht Hand in Hand mit den im Projekt angestrebten Zielen, etwa der Erhöhung der Artenvielfalt, so dass wir hier mit einer großen Akzeptanz rechnen können.

Wie hat sich die Arbeit in der Projektstelle seit ihrer offiziellen Eröffnung im April 2018 entwickelt?

Im Jahr 2018 machte sich das Projektteam unter dessen damaliger Leiterin nach der Einrichtung des Projektbüros bei der Geschäftsstelle des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen in Lambrecht sogleich an die Erstellung der umfangreichen Leistungsverzeichnisse und Ausschreibungsformulare. Sie dienten als Grundlage für das mehrmonatige europaweite Vergabeverfahren für den Pflege- und Entwicklungsplan, für dessen Bearbeitung schließlich das Fachbüro IUS (Institut für Umweltstudien – Weibel und Ness GmbH) in Kandel im März 2019 beauftragt wurde. Ebenso wurden Aufträge an weitere Fachbüros für Sondergutachten (wie zum Beispiel eine sozioökonomische Studie sowie ein Konzept für Öffentlichkeitsarbeit) vergeben. Inzwischen ist das Büro IUS mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seit Wochen vor allem zwecks Kartierung verschiedener Tier- und Pflanzenartengruppen und einer Biotopkartierung im 8.200 Hektar großen Fördergebiet unterwegs. Eine projektbegleitende Arbeitsgruppe mit Vertretern aus den verschiedensten Bereichen (darunter Naturschutzverwaltung, BfN, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Agrarverwaltung, Forstverwaltung, Naturschutzverbänden) hatte sich im März 2019 gebildet und wird die mehr als ein Jahrzehnt das chance.natur Projekt begleiten.

Die „chance.natur“-Projektstelle in Lambrecht ist mit ihren inzwischen drei Beschäftigten im Einsatz, um das Vorhaben weiter in die breite Öffentlichkeit, aber auch zum Beispiel in die beteiligten Kommunen und in zahlreiche Einrichtungen zu tragen, Sinn und Zweck der Maßnahme zu erläutern und die Kontakte mit den Bewirtschaftern zu intensivieren. Momentan entstehen gerade ein entsprechender Flyer und eine Website. Darüber hinaus sind wir im engen Austausch mit den erwähnten Fachbüros: Wir „füttern“ sie mit Informationen, um ihnen das effiziente Arbeiten im Gelände zu erleichtern.

Nach dem Erstellen des Pflege- und Entwicklungsplans bis zum Jahr 2020 während der aktuellen ersten Projektphase werden in der zweiten Phase von 2020 bis 2030 die Pflegemaßnahmen, insbesondere in den Offenlandbiotopen mit den Akteuren umgesetzt, die unter anderem von der Biotop-Erstpflege, wie dem Pflanzen und Schneiden von Streuobstbäumen, dem Wiederaufbau von Trockenmauern bis hin zum Errichten von Weidezäunen reichen.

 Wo liegen die besonderen Potenziale, aber auch Herausforderungen im Projekt?

Im „chance.natur“-Projekt stecken riesige Entwicklungspotenziale für den Pfälzerwald.

Zunächst liegt ein großes Potenzial in der Projektidee selbst, und zwar im Hinblick auf das Ziehen der Wanderschäferherden, bei denen die Schafe als „Samentaxis“ für die Pflanzen fungieren. So lassen sich nämlich die häufig isolierten Offenland-Biotope – wozu beispielsweise Streuobstwiesen zählen – vernetzen, und auch ihr Zustand wird über Erstpflegemaßnahmen verbessert, was einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz darstellt. Genauso ist uns die Einbindung des Faktors „Mensch“ in das System „Natur“ wichtig: Denn nur wenn es uns gelingt, die Akteure (wie Grundstückseigentümer, Bewirtschafter und Bevölkerung) für das auf dem Prinzip der Freiwilligkeit beruhende Projekt für unsere Ziele zu gewinnen, können wir in der Fläche etwas bewirken. Die Voraussetzungen hierfür sind allerdings günstig, zumal wir bereits bei den realisierten Beweidungsmaßnahmen auf eine große Akzeptanz bei den beteiligten vor Ort gestoßen sind.

Diesen positiven Trend möchten wir gerne aufgreifen und über eine intensive Kommunikation, über Events, aber auch über Aktionen mit Schulen und/oder Kindergärten eine Sensibilisierung der Bevölkerung für die Biotopflege und den Artenschutz sowie für die Wanderschäfer und ihren Berufsstand erzielen. Nicht zuletzt können wir mit dem Vorhaben einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der schafhaltenden Betriebe (seien es Wander- oder Hüteschäfer) leisten, die sich selbst als eine „vom Aussterben bedrohte Spezies“ bezeichnen. Und dort, wo es keine Wander- beziehungsweise Hüteschäferherden gibt, wollen wir auf Kooperationslösungen mit örtlichen Tierhaltern, zum Beispiel in Form von Mischbeweidungen setzen.

Natürlich gibt es auch große Herausforderungen, wie zum Beispiel die komplizierte Situation der Eigentumsverhältnisse infolge der in der Pfalz verbreiteten Realerbteilung; diese muss vor einer Maßnahme erst einmal geklärt werden, um die Flächen zu sichern. Darüber hinaus gibt es in bestimmten Teilgebieten eine Konkurrenzsituation der Bewirtschafter untereinander oder mit Hobbytierhaltern, die erst einmal aufzulösen sind. Schließlich werden wir, wie bei jedem Vorhaben, auch auf Einzelpersonen oder Gruppierungen stoßen, die dem Projekt kritisch gegenüberstehen; hier gilt es, Überzeugungsarbeit zu leisten oder nach Kompromisslösungen zu suchen. Nicht zuletzt besteht eine große Herausforderung darin, Lösungen bereits in der Planungsphase aufzuzeigen, wie das Vorhaben nach der Projektlaufzeit von circa 13 Jahren ohne die Förderung des Bundes weiterentwickelt werden kann.

Erfahrener Mitarbeiter beim Biosphärenreservat und nun Projektleiter für „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald: Helmut Schuler beim Einsatz im Gelände (Foto: Biosphärenreservat/frei)

Zur Person:

Helmut Schuler arbeitet seit über 20 Jahren im Biosphärenreservat (vormalig Naturpark) Pfälzerwald-Nordvogesen im Bereich Landwirtschaft, Landschaftspflege und Regionalvermarktung. Der gebürtig aus Ludwigshafen am Rhein stammende Pfälzer hat in Gießen, Hohenheim bei Stuttgart und Adana (Türkei) Agrarwissenschaften studiert. Später kam ein europäisches Diplom in Umweltwissenschaften hinzu, das er in Arlon (Belgien) und Trier absolvierte. Vor seiner Arbeit im Biosphärenreservat beschäftigte er sich in Luxemburg im Rahmen eines Forschungs- und Beratungsauftrags mit dem Thema der Nitratauswaschung in Wasserschutzgebieten. Im grenzüberschreitenden Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen kommt ihm seine Fähigkeit, fließend Französisch zu sprechen, immer wieder zugute.

 Weitere MitarbeiterInnen im Projektbüro sind:

Forstingenieurin (Bachelor of science) Anna-Maria Marstaller

Christian Rutz (Verwaltungsangestellter)

Das Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ wird beim Biosphärenreservat Pfälzerwald umgesetzt, Projektträger ist der Bezirksverband Pfalz. Die Förderung des Vorhabens erfolgt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie durch das Land Rheinland-Pfalz.

Flüssiges Gold aus dem Pfälzerwald

Imker Dennis Molinet ist neuer Partner des Biosphärenreservats Pfälzerwald

Die Honigmeisterei – Imkerei Molinet ist seit kurzem Partnerbetrieb des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen. Dennis Molinet, gelernter Zimmermann und zuletzt in der Tourismusbranche tätig, widmet sich seit über 17 Jahren der Bienenhaltung. 2015 begann der Ausbau der Imkerei im Nebenerwerb und in diesem Jahr wagt er den Schritt in den Vollerwerb: „Wohin mich die Reise wirklich führt, wage ich ehrlich noch nicht zu sagen. Ein klares Ziel gibt es zumindest und ich werde ich es mit aller Hingebung verfolgen.“ Derzeit bewirtschaftet er rund 100 Bienenvölker und plant, mit 150 in das nächste Jahr zu starten. Die Bioland-Imkerei hat ihren Sitz seit 2015 zwar in Kleinbundenbach in der Nähe der saarländischen Grenze, Dennis Molinet und seine Bienen haben allerdings einen engen Bezug zum Pfälzerwald: „Nach der Akazienblüte wandere ich mit einem großen Teil meiner Völker ins Trifelsland.“ Neben dem Rinnthaler und Annweilerer Edelkastanienhonig bietet „Die Honigmeisterei“ Rapshonig, Frühlingshonig, Sommerhonig, Lindenhonig sowie – wenn die Natur mitspielt – Waldhonig aus den Vogesen an.

Partnerschild-Überreichung am Openair-Arbeitsplatz: Dr. Friedericke Weber mit Dennis Molinet (Foto: Biosphärenreservat/frei)

Der nachhaltige Umgang mit Ressourcen und ein Wirtschaften im Einklang mit der Umwelt sind Themen, die Dennis Molinet am Herzen liegen. „Die Anerkennung durch Bioland sowie als Partnerbetrieb des Biosphärenreservats Pfälzerwald sind mir wichtig. Für mich handelt es sich hierbei nicht um eine vermarktungstechnische, sondern um eine Grundsatzentscheidung! Ich mit meinem Handeln, wie auch meine Kundinnen und Kunden mit dem Kauf meiner Produkte, können der Natur auch wieder etwas zurückgeben. Durch den Kauf meiner Produkte werden eine nachhaltige Landwirtschaft, die regionale Produktion sowie der Absatz mit kurzen Transportwegen unterstützt, was auch dem Biosphärenreservat wichtig ist“, erläutert der Imker. Wie viele seiner Berufsgenossinnen und -genossen ist er auch handwerklich geschickt, denn die Kisten für seine Bienen fertigt er selbst. Dafür benutzt er heimisches Holz, das er beim Sägewerk vor Ort bezieht.

Dennis Molinet genießt es, draußen bei den Bienen zu arbeiten; die Arbeit an den Völkern hat von April bis Juli Hochsaison. Genauso zum Imkerdasein gehört natürlich der Honigverkauf, zum Beispiel auf Land- und Bauernmärkten in der Region, auf denen er regelmäßig mit einem Stand präsent ist. Zudem pflegt er ein aktives Netzwerk mit anderen Imkerkollegen, auch Axel Heinz aus Neustadt kennt er bereits, der ebenfalls Partner des Biosphärenreservats Pfälzerwald ist.

Unser dem Motto „Nachhaltig leben auf Pfälzisch!“ haben sich rund 60 Betriebe verschiedenster Branchen als Partner des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Sie erfüllen bundesweit einheitliche Qualitäts- und Umweltstandards.

Biosphären-Bauernmarkt und 1000. Geburtstag

Auch das Kunsthandwerk ist auf dem deutsch-französischen Biosphären-Bauernmarkt in Sippersfeld vertreten (Bild: Biosphärenreservat/Venus)

Deutsch-französischer Biosphären-Bauernmarkt mit vielen Aktionen in Sippersfeld

 Direkt nach den Sommerferien findet der nächste deutsch-französische Biosphären-Bauernmarkt des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen statt, nämlich am Sonntag, 18. August, von 11 bis 18 Uhr in Sippersfeld. Der Ort liegt am nördlichsten Zipfel des Biosphärenreservats und bietet einen Ausblick zum höchsten Berg der Pfalz, den Donnersberg.

Rund 40 Anbieter aus den Nordvogesen und aus dem Pfälzerwald offerieren ihre umweltschonend erzeugten Qualitätsprodukte, darunter Schinken, Wurst, Fleisch vom Lamm, Wild und Pferd, Essige, Säfte, Likör und Sekt, Obst und Gemüse, Pilzen, Marmelade und Honig, Öl, Teigwaren und Kompott. Bierbrauer und Winzerinnen bieten zudem flüssige Köstlichkeiten. Da die Sippersfelderinnen und Sippersfelder an dem Wochenende ab 16. August das 1.000-jährige Bestehen ihres Ortes feiern, ist das Programm entsprechend angereichert: So gibt es beim Bauerncafé „Zum Fruchtspeicher“, das auch ein Partnerbetrieb des Biosphärenreservats ist, leckere Speisen, eine Rinderschau und Blumen. Das Forstrevier Sippersfeld bietet verschiedene Aktionen zum Wald sowie Bogenschießen an. Die Gruppe „Unser Dorf in der Landschaft“ informiert an ihrem Stand über Streuobstwiesen und Obstsorten. Der Sportverein FC Eiche ist dabei und bietet Essen und Getränke, beim Stand der Bücherei gibt es Kaffee und Kuchen. Die Band „Wandermusikanten“ sorgt mit Trompeten, Posaune, Sousaphon und Schlagzeugen für musikalischen Schwung und Nils Nager von der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ bietet Unterhaltung für die Kleinen.

Ziel der deutsch-französischen Biosphären-Bauernmärkte ist es, die Landwirtschaft und regionale Vermarktung in der Region zu stärken und bei Einheimischen wie Gästen für den Kauf von umweltschonend erzeugten Produkten zu werben. Denn so können die Verbraucherinnen und Verbraucher direkt dazu beitragen, dass die einzigartige Kulturlandschaft des Biosphärenreservats erhalten bleibt und keine langen Transportwege entstehen. Informationen auch unter www.pfaelzerwald.de/bauernmaerkte. Die Biosphären-Bauernmärkte werden unterstützt durch das Land Rheinland-Pfalz.

Kulinarische Schmankerl in Hofstätten

Hotel-Restaurant Müllers Lust in Hofstätten ist neuer Partnerbetrieb des Biosphärenreservats

„Bodenständig, mit guten Produkte zubereitet, angereichert mit mediterranem Flair und vor allem sehr frisch.“ So beschreibt Dieter Müller die Küche in seinem Hotel-Restaurant Müllers Lust, das seit Kurzem einer von rund 60 Partnerbetrieben des Biosphärenreservats Pfälzerwald ist. Gemeinsam mit seiner Frau Marion führt er seit 2004 das Haus in Hofstätten. Ihre Tochter Melinda, die als Köchin europaweit Erfahrung gesammelt hat, ist seit 2012 Küchenchefin. 4.000 Quadratmeter Gelände umgeben das ehemalige Forsthaus, das 1899 erbaut wurde und unter Denkmalschutz steht. „Der Garten gibt viel her, vor allem frische Kräuter benutze ich gerne“, verrät Melinda Müller. Neben vegetarischen Gerichten kommen häufig Wild aus der Hofstätter und Wilgartswieser Jagd sowie andere regionale Produkte auf den Teller.

Auch bei der Renovierung des Anwesens, zu dem eine ehemalige Bäckerei und ein ehemaliger Tante-Emma-Laden gehören, haben Dieter und Marion Müller auf die Verwendung regionaler Materialien und Elemente geachtet. Über 15 Jahre lang ist so zum großen Teil in Eigenleistung und mit viel Liebe zum Detail ein Restaurant mit lauschigem Biergarten neben der Dorfkirche, ein Hotel mit 45 Betten sowie eine Lodge mit 23 Betten in Mehrbettzimmern entstanden. Hier wird mit Sonne und Holz geheizt, die Zimmer sind mit einer Wandheizung ausgestattet, die Wände mit Lehm verputzt. Die historische Backstube haben Müllers reaktiviert: „Hin und wieder kommt ein junger Bäcker aus einer Annweilerer Bäckerei und backt hier Brot“, erklärt Marion Müller.

Viel handwerkliches Geschick und Leidenschaft stecken in „Müllers Lust“. Die Gäste kommen aus dem Pfälzerwald selbst und den angrenzenden Regionen wie auch aus ganz Deutschland und darüber hinaus, zum Beispiel aus den Niederlanden. „Wir haben hier vor allem Wanderer, Radfahrer und Ruhesuchende zu Gast, Motorradfahrer sind auch häufig hier“, erläutert Dieter Müller. In Hofstätten hat sich der Hauensteiner, der selbst begeisterter Biker ist und aus der Automobilbranche kommt, mit seiner Frau einen Traum erfüllt. „In der Saison von April bis Oktober haben wir etwa 3.000 Übernachtungen“, erläutert der Gastwirt. Dafür sind neben Müllers sieben weitere Personen im Einsatz, um zu kochen, das Frühstück vorzubereiten, zu reinigen oder im Restaurant zu bedienen. Mit den Zielen des Biosphärenreservats als Modellregion für nachhaltige Entwicklung kann sich Dieter Müller stark identifizieren: „Die Produkte wachsen und gedeihen hier, man kann einfach danach greifen und sie nutzen“, schwärmt er über die Vielfalt und den Ressourcenreichtum seiner Heimat.

Pflege durch Nutzung

Beweidungsprojekt in Lindenberg

Reiner Koch, Ortsbürgermeister von Lindenberg, ist sehr zufrieden mit seinem Beweidungsprojekt westlich der Dorfmitte. Kürzlich traf er sich dort zu einem Rundgang mit Mitgliedern des Lindenberger Gemeinderats, der Direktorin des Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, Dr. Friedericke Weber, und dem Projektverantwortlichen beim Biosphärenreservat, Harry Schmeiser. Gemeinsam mit dem Biosphärenreservat hat die Gemeinde Lindenberg im Jahr 2016 die Beweidung begonnen, durch die Bracheflächen bewirtschaftet und halboffene Lebensräume geschaffen werden. Nach einer Konzeptphase und Klärung der Grundstücksgrenzen im bewaldeten Teil der Fläche wurde im Sommer 2016 zunächst ein insgesamt 1.600 Meter langer Außenzaun gestellt. Für die Fertigung des Innenzauns haben sich anschließend unter der Regie von Reiner Koch viele engagierte Lindenbergerinnen und Lindenberger zusammengetan.

Die Lindenbergerin Daniela Kurz, die sich auch „Ziegemama“ nennt, bewirtschaftet die Fläche von etwa 27 Hektar. Fünf Rinder, 26 Schafe und 16 Ziegen sind dort mit einigen Lämmern und Zicklein im Einsatz. Seit kurzem gehören auch drei Glanrinder – Vertreterinnen einer alten heimischen Rinderrasse – zum gemischten Landschaftspflegeteam. Daniela Kurz nimmt seit 2019 an den deutsch-französischen Bauernmärkten des Biosphärenreservats teil und bietet dort unter dem Namen „Pfälzer Landschlemmereien“ verschiedene Lamm- und Ziegenprodukte an.

Durch die extensive Beweidung mit verschiedenen Tieren werden sehr artenreiche Biotope für schützenswerte Offenlandarten geschaffen und erhalten. Die Bracheflächen werden durch die Pflege ökologisch dauerhaft aufgewertet; zudem will die Gemeinde Lindenberg diese mit weiteren Weideflächen verbinden und so auch Lebensräume miteinander vernetzen.

Da Offenlandbiotope wertvolle Lebensräume für eine Vielzahl bedrohter Arten sind, ist die Offenhaltung von bestimmten Landschaftsbereichen nach dem Grundsatz „Pflege durch Nutzung“ eine wichtige Aufgabe im Biosphärenreservat Pfälzerwald. Das Projekt wurde gefördert durch das Land Rheinland-Pfalz.

Färbepflanzen, Wildkräuter, Tomaten und Co.

Veranstaltungen für alle im Projekt „Gärten für die Artenvielfalt“

Das Projekt „Gärten für die Artenvielfalt“ begeistert Hobbygärtnerinnen und -gärtner in den Nordvogesen und im Pfälzerwald. Neben einem Gartenwettbewerb, für den derzeit die Jurybesuche laufen, bietet das deutsch-französische Projekt zahlreiche Veranstaltungen zu verschiedenen Gartenthemen. In den nächsten Wochen lädt jeweils am ersten Freitag des Monats, 5. Juli und 2. August, der Verein NaturGestalten zu „GenussGartenArtenReich“ von 16 bis 18 Uhr zum Lernen und Mitmachen in seinen Vereinsgarten in Fischbach bei Dahn ein. Dieses Jahr widmet sich der Verein insbesondere der Permakultur.

An den Sonntagen 7. Juli und 4. August verraten Ursula und Johannes Schauer von der Kräuterschule Wildwiese bei Wildkräuterwanderungen ab dem Biosphärenhaus in Fischbach von jeweils 15 bis 17 Uhr Wissenswertes über Inhaltsstoffe und Verwendung von Wildkräutern. „Tomaten!“ heißten die Veranstaltungen an Freitagen 26. Juli und 30. August, jeweils ab 17. Uhr. Melanie Grabner führt durch ihre Gärtnerei „lilatomate“ in Böhl-Iggelheim, wo über 100 verschiedene Tomatensorten gedeihen; sie gibt dabei einige Tipps zur Tomatenpflege und lässt die Besucherinnen und Besucher auch Tomaten kosten.

Am Samstag, 27. Juli, geht es bei Susanne Maurer in ihrem Atelier Fimabelle in Fischbach bei Dahn von 14.30 bis 17 Uhr darum, welche Pflanzen sich zur Farbengewinnung eignen, wie man aus ihnen den Farbschatz extrahieren und diesen für verschiedene Verwendungen aufbereiten und konservieren kann. Ums Konservieren geht es auch am Freitag, 23. August: Petra Knoll zeigt ab 17.30 Uhr im Haus der NaturFreunde in Lambrecht, wie der Sommer erhalten bleiben kann: Es werden Kräuterprodukte wie aromatisches Kräutersalz, duftender Blütenzucker oder Kräuteressig selbst hergestellt.

Weitere Informationen zu diesen und weiteren Terminen des Biosphärenreservats finden sich unter www.pfaelzerwald.de/termine.

Das Projekt „Gärten für die Artenvielfalt – Jardiner pour la biodiversité“ will die breite Öffentlichkeit im deutschen wie im französischen Teil des Biosphärenreservats für die Artenvielfalt im Alltag sensibilisieren und begeistern. So soll in den unbebauten Flächen von Städten und Dörfern ein ökologisches Handeln sanft und nachhaltig entwickelt werden. Das Projekt wird durch das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz sowie mit Mitteln aus dem Interreg V A-Projekt „NOE / NOAH“ gefördert.

Fotowettbewerb „Arche Noah Biosphärenreservat“

Tierische Vielfalt im Biosphärenreservat

Zum ersten Mal veranstaltet die Ortsgemeinde Fischbach den von der Daniel-Theysohn-Stiftung finanzierten Fotowettbewerb „Leben und Vielfalt“, um das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen nachhaltig zu fördern und auf die Bedeutung der hier herrschenden Artenvielfalt aufmerksam zu machen. Ziel ist es, das Verständnis der Menschen, denen oft gar nicht bewusst ist, welche Chancen das Leben in diesem weltweit einmaligen, grenzüberschreitenden Biosphärenreservat bietet, für die Besonderheiten des heimischen Naturraums, die Schönheit und Vielfalt aufmerksam zu machen, für die Gefährdung der Natur zu sensibilisieren, um sich auch außerhalb des Biosphärenreservats für den Erhalt der Artenvielfalt einzusetzen.

Die Mauereidechse sonnt sich genüsslich auf einem Felsen (Foto: Yannick Baumann)

Unter dem Motto „Arche Noah Biosphärenreservat“ sind Hobby- und Profifotografen aufgerufen, sich im Biosphärenreservat Pfälzerwald- Nordvogesen auf eine fotografische Entdeckungsreise zu begeben und mit ihrer Kamera die hier lebenden Tiere einzufangen.

Damit helfen sie auch, deutlich zu machen, wie wichtig es ist, neue Wege zu gehen, um die Natur für kommende Generationen zu bewahren.

Die Bilder werden von einer ausgewählten Fachjury bewertet. Die besten Aufnahmen werden mit Geldpreisen prämiert, der Sieger erhält 3.000 Euro und die Arbeit der Preisträger wird in einer ausführlichen Dokumentation editiert. Wir bitten Sie, uns durch eine ausführliche Berichterstattung in Ihrem Medium in unserem Bemühen zu unterstützen, die Natur nachhaltig zu schützen, um sie für die Zukunft zu erhalten. Der Mensch braucht eine intakte Natur als Lebens- und Erholungsraum.

Weitere Informationen zur Teilnahme finden Sie hier .

Das Potenzial sternenreicher Nächte im Pfälzerwald auch für den Tourismus nutzen

Workshop des Projekts „Sternenpark Pfälzerwald“ für Tourismustreibende in Kooperation mit dem ZENAPA-Projekt des Bezirksverbands Pfalz und Landesforsten Rheinland Pfalz

Erstmalig gibt es in diesem Jahr einen Workshop zum Thema potenzieller Astrotourismus im Pfälzerwald für Touristikerinnen, Gastronomen und Hobbyastronominnen – veranstaltet vom Biosphärenreservat Pfälzerwald, dem Klimaschutz-Projekt ZENAPA und Landesforsten Rheinland Pfalz. Der Workshop findet am 22. Juli von 15 bis 18 Uhr im Haus der Nachhaltigkeit statt.

Der Blick auf einen schönen Sternenhimmel birgt auch touristisches Potenzial (Foto; Christian Mücksch/frei)

Nach einem Grußwort der Direktorin des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen, Dr. Friedericke Weber, führt Antonia Müller-Ruff durch ein spannendes Vortragsprogramm. Den Start der Vortragsreihe macht Tobias Kauf von der Pfalz-Touristik mit einem Bericht über die touristische Ausgangslage des Pfälzerwalds. Im Anschluss gibt Dr. Andreas Hänel von der Vereinigung der Sternenfreunde einen Einblick in die astrotouristischen Aktivitäten andernorts in Deutschland, wobei Sternenparkregionen im Fokus stehen. Zurück in die Region führen die Vorträge zweier Astronomievereine, der naturwissenschaftliche Verein zu Zweibrücken, repräsentiert durch Dr. Rolf Schad, und die studentische Arbeitsgemeinschaft Astronomie der Universität Kaiserslautern, von der Dr. Christian Anders anwesend ist.

Abgerundet wird die Vortragsreihe mit der Vorstellung geplanter touristischer Maßnahmen im Rahmen des Projekts Sternenpark Pfälzerwald und der erstmals öffentlichen Vorstellung des Zertifikats „Gastgeber unter den Sternen“ durch die Projektkoordinatorin Sarah Köngeter. Hinter dem Zertifikat verbirgt sich ein Maßnahmenkatalog für Gastronomiebetriebe, durch dessen Einhaltung Sternen- und Astronomiebegeisterte und solche, die es noch werden wollen, gezielt in den Pfälzerwald gelockt werden.

Viel Möglichkeit zur Vernetzung und zum Einbringen kreativer Ideen bietet eine Pinnwandübung am Veranstaltungsende. Zur besseren Planung der Veranstaltung wird um Anmeldung bis zum 15. Juli bei Sarah Köngeter (06325 9552-15, s.koengeter@pfaelzerwald.bv-pfalz.de) gebeten. Sie gibt auch gerne weitere Informationen zum Thema sowie zum Projekt.

Das Projekt Sternenpark Pfälzerwald wird als LEADER-Projekt im Rahmen des Entwicklungsprogramms EULLE unter Beteiligung der Europäischen Union und des Landes Rheinland-Pfalz (vertreten durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau) gefördert.

Erste Umweltpraktikantin im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen

Commerzbank unterstützt mit dem Projekt „Umweltpraktikum“ Großschutzgebiete in ganz Deutschland

Ronja Hoßbach ist die erste Umweltpraktikantin des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen. Damit steht die Studentin des Zwei-Fach-Bachelors Naturschutzbiologie und Politikwissenschaften in Landau dem Biosphärenreservat für einen Zeitraum von drei Monaten tatkräftig zur Seite. Seit April konnte Ronja Hoßbach bereits vielseitige Einblicke in die Arbeit eines Biosphärenreservats erhalten. Neben ihrem Engagement bei der Aktualisierung der Internetseite und der Beteiligung an Netzwerktreffen der Partnerbetriebe und des BNE-Netzwerks unterstützt Ronja Hoßbach aktiv das Junior Ranger-Projekt. Dabei bereitet sie beispielsweise gemeinsam mit den Junior Rangern die Reise zum bundesweiten Junior Ranger-Treffen im Nationalpark Sächsische Schweiz vor. Außerdem kann sie sich aktiv bei der Gestaltung der Nachhaltigsrallye für den Rheinland-Pfalz-Tag einbringen. Diese Gestaltung erstreckt sich über die Konzipierung eines Rallye-Stands für das Biosphärenreservat Pfälzerwald bis hin zum Design der Rallye-Materialien.

Ute Jahn (links) von der Commerzbank-Filiale Neustadt überreichte Ronja Hoßbach (Mitte) ein Präsent. Antje van Look (rechts) betreut das Umweltpraktikum beim Biosphärenreservat.

„Ich genieße es, den Pfälzerwald aus einem ganz neuen Blickwinkel zu erleben und dabei eine Vielzahl neuer Arbeitsbereiche zu entdecken. Meine persönlichen Highlights waren die nachhaltige Stadtführung, die ich am Tag zur Nachhaltigkeit in Landau mit durchführen konnte und die Freilassung des Luchses Braňo, als er seine ersten Sprünge in den Pfälzerwald machte. Außerdem freue ich mich schon sehr, zwei mutige und engagierte Mädchen in die Sächsische Schweiz auf das deutschlandweite Junior Ranger-Camp zu begleiten“, schwärmt Ronja Hoßbach. Ihre Nachfolgerin, Helena Anne Kaiser, wird von August bis Oktober im Pfälzerwald im Einsatz sein.

Das Commerzbank-Umweltpraktikum bietet jungen Menschen die Chance, Natur intensiv zu erleben und dabei wichtige Kompetenzen für ihre spätere Berufswahl zu erwerben. Im Zuge des Praktikums erhalten Praktikantinnen und Praktikanten Einblicke in ganz verschiedene Bereiche wie Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit oder in die Planung und Umsetzung von Naturschutzprojekten. Seit dem Start 1990 haben durch das Commerzbank-Umweltpraktikum nahezu 1.700 Praktikantinnen und Praktikanten in den 27 teilnehmenden Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservaten zwischen Nordsee und Alpen einzigartige Orte für ihr Engagement gefunden. „Wir freuen uns sehr, dass sich unser Engagement hier so nachhaltig gestaltet“, freut sich Ute Jahn, Filialleiterin der Commerzbank in Neustadt.

Informationen zum Umweltpraktikum finden Sie hier. Speziell zum Umweltpraktikum im Biosphärenreservat Pfälzerwald steht Antje van Look  (a.vanlook@pfaelzerwald.bv-pfalz.de, 06325 1800-241) zur Verfügung.