Alte Handwerkskunst, sprudelnde Quellen und Bäume im Klimawandel

Biosphären-Guide-Touren im herbstlichen Pfälzerwald

Erkenntnis- und erlebnisreich: Touren mit den Biosphären-Guides des Biosphärenreservats Pfälzerwald (Foto: Biosphärenreservat/frei)

 

Die Biosphären-Guides des Biosphärenreservats Pfälzerwald führen auch im goldenen Herbst wieder durch die bunten Wälder und über die artenreichen Wiesen des Pfälzerwalds. Am Samstag, 8. Oktober, bietet Biosphären-Guide Gerlinde Pfirrmann eine kulturhistorische Wanderung zum Thema „Pottaschsieder und Holzschlittler“ an. Auf der Wanderung entdecken die Teilnehmenden viele Zeugnisse von alter Handwerkskunst und dem Überlebenskampf unserer Vorfahren. Die Tour schließt ab mit dem Besuch eines kleinen Museums zum Thema.

Mit ihrer Guide-Tour „ Ä Tännchen please – prima fürs Klima“ am Samstag, 15. Oktober, klärt Johanna Thomas-Werling über die speziellen Eigenschaften der Weißtanne auf. Bei der Wanderung nahe der französischen Grenze gibt es viel für die Sinne: Die Weißtanne wird gehört gefühlt und gerochen.

„Die drei Musketiere“, so nennt Biosphären-Guide Heidrun Knoch die drei Charakterarten des Biosphärenreservats Pfälzerwald. Am Sonntag, 16. Oktober, erzählt sie auf ihrer dreieinhalbstündigen Tour vieles über Eiche, Tanne und Kastanie und wie sie im Vergleich zur Kiefer dem Klimawandel trotzen.

Am Samstag, 22. Oktober, erfahren Naturneugierige unter gemeinsamer Leitung des Pilzsachverständigen Dietmar Theiss und des Biosphären-Guides Johannes Schauer Interessantes über das Sammeln, Erkennen und Bestimmen von Pilzen im Pfälzerwald. Ein gemeinsames Zusammenkommen mit einem leckeren Pilzgericht beschließt die Tour.

Am Sonntag, 23. Oktober, findet die Drei-Quellen-Tagestour unseres Biosphäre-Guides Wolfgang Müller bei Ramsen statt. Entlang der Quellen von Eisbach, Eckbach und Isenach erfahren die Teilnehmenden mehr zum Thema Wasser, Wald und Geologie.

Am Sonntag, 30. Oktober, bieten die Biosphären-Guides Ursula und Johannes Schauer eine Wildkräuterführung um das Biosphärenhaus in Fischbach bei Dahn an. Sie bestimmen essbare Kräuter und verraten Interessantes zu deren Inhaltsstoffen sowie der Verwendung in Küche und Heilkunde.

Anmeldung und Informationen

Bei allen Touren sind feste Schuhe und wetterfeste Kleidung erforderlich. Informationen und Anmeldung unter info@pfaelzerwald.bv-pfalz.de beziehungsweise 06325 9552-0. Informationen zu allen Guides und deren Führungsangebot sind auf der Website des Biosphärenreservats unter www.pfaelzerwald.de/termine beziehungsweise unter www.pfaelzerwald.de/biosphaeren-guides verfügbar.

Biosphären-Guides im Pfälzerwald und an der Weinstraße

Die Biosphären-Guides bieten kenntnisreiche und kurzweilige Führungen an und helfen so, dem Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen Gesicht und Stimme zu geben. Sie bringen Gästen wie Einheimischen dessen Schönheit, Einzigartigkeit und Vielfalt näher und vermitteln gleichzeitig Zielsetzung und Auftrag des Schutzgebiets. Die Biosphären-Guides leisten einen Beitrag zu einem attraktiven Bildungsangebot, zur Gästebetreuung im Biosphärenreservat und zu dessen sanfter naturtouristischer Entwicklung. Die Ausbildung wurde vom Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen in Zusammenarbeit mit Landesforsten Rheinland-Pfalz und der Regioakademie angeboten. Die Qualifizierung wurde durch das Land Rheinland-Pfalz unterstützt.

Krebse im Biosphärenreservat Pfälzerwald

Exkursionen zu Bachbewohnern im Projekt „Gefährdete Tierarten – Espèces en danger“

Eine der drei Tierarten im Fokus des deutsch-französischen Projekts „Arten in Gefahr – Espèces en danger: der Steinkrebs (Illustration: Nicolas de Faveri/SYCOPARC)

 

Das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen bietet als Teil seines deutsch-französischen Projekts „Gefährdete Tierarten – Espèces en danger“ im Oktober zwei Exkursionen zu Krebsen an, davon eine speziell für Kinder und Jugendliche.

Am Samstag, 15. Oktober, von 10 bis 12 Uhr erwartet die Teilnehmenden bei der Krebsexkursion vom Biosphärenhaus in Fischbach bei Dahn zum nahegelegenen Spießwoogtal ein Einblick in die Welt der Krebse: Holger Schindler, Diplom-Biologe und Gewässerspezialist, gibt während der kleinen Wanderung Antworten auf die Fragen, welche Arten früher und heute bei uns im Pfälzerwald vorkamen beziehungsweise -kommen, wie die Lebensweise der Krebse ist und was sie fressen, wie sie aussehen und wie man die wichtigsten Arten unterscheiden kann, was beim Gewässerschutz beachtet werden muss und wie die Ausbreitung eingeschleppter Krankheiten verhindert werden kann. In der schönen Wiesen- und Waldlandschaft des Spießwoogtals entlang von Bächen und Woogen schaut sich die Gruppe typische Gewässer des Biosphärenreservats an und erfährt auch einiges über deren historische und heutige Nutzung. Die Teilnahme an der Exkursion ist kostenlos, um Anmeldung bis 07. Oktober wird gebeten.

„Gewässer-Akademie: Fische und Krebse heimischer Gewässer“ lautet der Titel eines Angebots der Universität Koblenz-Landau in Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, das sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 12 Jahren richtet. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 18. Oktober, von 10 bis 15 Uhr an der Ökosystemforschung Anlage Eußerthal (EERES) in der Birkenthalstraße 13 statt. Zunächst geht es im „Fisch-Checker“ um die heimischen Fischarten, nach der Mittagspause stehen dann gefährdete Tierarten und insbesondere die Krebse der Gewässer des Biosphärenreservats im Mittelpunkt. Die Leitung übernehmen Tanja Joschko und Anne Schrimpf von der Universität Koblenz-Landau. Um Anmeldung bis 07. Oktober wird gebeten.

Teilnahme und Anmeldung
Anmeldungen bis 07. Oktober über Micaela Mayer vom Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen unter m.mayer@pfaelzerwald.bv-pfalz.de. Teilnehmende an den Exkursionen sollten Verpflegung mitbringen sowie festes Schuhwerk und wetterangepasste Kleidung tragen. Informationen zu diesen und weiteren Veranstaltungen auch unter www.pfaelzerwald.de/termine.

Zum Projekt „Gefährdete Tierarten – Espèces en danger“
Der weltweite Rückgang und das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten zeigen sich auch im Bereich des grenzüberschreitenden Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen. Im Rahmen des von Juli 2020 bis Juni 2023 laufenden EU-Interreg-Projekts „Gefährdete Tierarten im grenzüberschreitenden Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen“ werden für drei gefährdete Tierarten dringend benötigte Schutzmaßnahmen umgesetzt. Dafür haben sich deutsche und französische Projektpartner und -partnerinnen zusammengefunden, die ihre Kenntnisse, Mittel und Monitoring-Methoden teilen, um konkrete Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Das Biosphärenreservat Pfälzerwald bringt sich im Bereich Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Öffentlichkeitsarbeit vor allem mit Führungen und Workshops in das Projekt ein. Weitere Informationen zum Projekt unter www.pfaelzerwald.de/projekte.

Das Projekt wird mit Mitteln aus dem Interreg-Programm Oberrhein sowie durch das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität Rheinland-Pfalz gefördert.

 

An typischen Gewässern des Biosphärenreservats unterwegs mit Holger Schindler (links) (Foto: Biosphärenreservat)

 

Wieviel Natur braucht der Mensch?

Wasgauer Gespräche am 07. Oktober im Biosphärenhaus

 Zum regen deutsch-französischen Austausch laden die Veranstalter und Veranstalterinnnen der „Wasgauer Gespräche“ am Freitag, 07. Oktober, im Biosphärenhaus ein. Die grenzüberschreitende Veranstaltung behandelt Themen aus Natur und Gesellschaft im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Dieses Jahr ist sie dem Thema „Wieviel Natur braucht der Mensch? – Leben in Zeiten von Klimawandel, Ressourcenknappheit und Naturentfremdung“ gewidmet. Das Tagungsprogramm aus Vorträgen und Austauschrunden beginnt um 9 Uhr und endet gegen 17 Uhr. Bereits am Donnerstagabend, 06. Oktober, gibt es ab 20 Uhr ein Zusammenkommen und die Vorführung des Dokumentarfilms „Es war einmal ein Wald“, mit anschließender Diskussion, an der auch der Ideengeber des Films, Francis Hallé, teilnimmt.

Die Fachtagung steht allen Interessierten offen und wendet sich insbesondere an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regionaler Behörden, Tätige im Natur- und Umweltschutzbereich oder an pädagogische Kräfte der Bildungseinrichtungen im grenzüberschreitenden Biosphärenreservat. Die Beiträge der deutschen und französischen Referenten und Referentinnen werden simultan in die jeweilige andere Sprache übersetzt. Mehr Informationen zum Programm sowie den Link zur Anmeldung gibt es unter www.umdenken.rlp.de/de/veranstaltungen/wasgauer-gespraeche.

Zum Thema: „Wie viel Natur braucht der Mensch?“

Der Mensch entfernt sich zunehmend von der Natur und seinen natürlichen Lebensgrundlagen. Die Etablierung von virtueller Realität fördert diese Entwicklung auf allen gesellschaftlichen Ebenen. In krassem Gegensatz dazu steht die Sehnsucht vieler Menschen nach ursprünglicher Natur und einem Rückzugsort, der Kraft und Geborgenheit, gerade auch in Krisenzeiten, vermittelt. Natursport, und Waldbaden sind nur zwei der aktuellen Trends im Miteinander von Mensch und Natur.

Die Menschheit nutzt auch weiterhin und mehr denn je die natürlichen Ressourcen, die sie vor dem Hintergrund des globalen und insbesondere des Klimawandels benötigt, und riskiert dabei, die biologische Vielfalt, das Gleichgewicht der Ökosysteme und die unverzichtbaren ökologischen Dienstleistungen, die unentgeltlich zur Verfügung stehen und von denen sie in Gesamtheit profitiert, zu gefährden.

Wie lässt sich diese Diskrepanz erklären und wie kann sie aufgelöst werden, so dass Mensch und Natur eine nachhaltige Zukunft haben? Gibt es Ansätze um das Miteinander von Mensch und Natur zu regeln? Wie sehr leidet der Mensch unter der Naturentfremdung und wohin muss die Reise gehen um ein nachhaltiges Miteinander von Mensch und Natur zu gewährleisten? Zu diesen und weiteren relevanten Punkten sollen die 13. Wasgauer Gespräche Informationen, Denkanstöße und Lösungsansätze liefern.

Die Wasgauer Gespräche – Deutsch-französischer Austausch seit fast 20 Jahren

Ins Leben gerufen wurden die Wasgauer Gespräche im Jahre 2002 von der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz (LZU). Die Planung und Durchführung der Veranstaltungsreihe erfolgt als Kooperationsprojekt durch die LZU, den beiden Verwaltungen des Biosphärenreservats in Deutschland und Frankreich, sowie dem Biosphärenhaus in Fischbach, das auch gleichzeitig Tagungsort ist.

 Hauptanliegen der Wasgauer Gespräche ist es, den Akteurinnen und Akteuren vor Ort zu jeweilig wechselnden Schwerpunktthemen neue Ideen, best-practice Beispiele und Lösungsansätze für regionale Problemstellungen zu liefern.  Alle Ideen und mögliche Lösungen können dabei nicht kleinflächig und rein national betrachtet werden, so dass der deutsch-französischen Zusammenarbeit eine entscheidende Rolle zufällt. Die Veranstaltung dient daher auch als Plattform für den grenzüberschreitenden Austausch, dem Kennenlernen und der Entwicklung transnationaler Projekte.

Umweltpraktikantinnen im Biosphärenreservat Pfälzerwald

Commerzbank unterstützt mit dem Projekt „Umweltpraktikum“ Großschutzgebiete in ganz Deutschland

Dieses Jahr hat das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen tatkräftige Unterstützung von drei Umweltpraktikantinnen erhalten.

Vom Anfang Mai bis Ende Juli war die Geographie-Studentin Lea Gemmecke, 23 Jahre alt und aus Mainz kommend, im Biosphärenreservat aktiv. Lea unterstütze das Biosphären-Team bei der Planung und Durchführung einzelner Projekte, so zum Beispiel bei der Abschlussveranstaltung des Projekts Sternenpark Pfälzerwald. „In meiner Freizeit bin ich begeistert dabei zu wandern und in der Natur zu sein. Somit war das Praktikum im Biosphärenreservat Pfälzerwald Nordvogesen sehr passend für meine Interessen.“ Die 22-jährige Rachel O’Shea ist Pfälzerin und studiert Umweltwissenschaften in Landau; sie übernahm Leas Aufgaben ab dem 1. Juli. Sie führte im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit unter anderem Interviews mit den Partnerbetrieben des Biosphärenreservats Pfälzerwald, um diese anschließend auf Social Media zu präsentieren. Alexandra Brion kommt aus der Nähe von Kassel und studiert Naturschutzbiologie und Geographie an der Universität Landau. Seit Anfang September führt die 22-Jährige die Interviews mit den Biosphären-Partnerbetrieben weiter, konzipiert multimediale Erlebnistouren, unterstützt die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und setzt sich aktiv für die Bildungsarbeit im Bereich Naturschutz im Biosphärenreservat ein.

„Mein Ziel für das Umweltpraktikum war es herauszufinden, ob solch eine Tätigkeit später ein Beruf für mich sein könnte und das habe ich erreicht“, sagte Rachel O’Shea. „Mir hat die Arbeit mit den verschiedenen Projekten und Kolleginnen und Kollegen sehr viel Spaß gemacht und ich habe vielseitige Einblicke erlangt. Besonders toll fand ich es, dass ich zwei eigene Projekte selbstständig bearbeiten konnte. Mit den erarbeiteten Informationen zu Wild- und Blühpflanzen in der Umgebung und den Social Media-Beiträgen zu den Partnerbetrieben des Biosphärenreservats hoffe ich, interessierte Menschen mehr auf beides aufmerksam zu machen.“

Alexandra Brion ist überzeugt: „Das Commerzbank-Umweltpraktikum bietet eine tolle Möglichkeit den Alltag von Schutzgebieten näher kennenzulernen. Ich habe durch das Einführungsseminar der Commerzbank andere tolle Umweltpraktikantinnen kennengelernt und empfand die Möglichkeit als unfassbar bereichernd. Zudem hat man im Praktikum selbst ebenfalls die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen, was ich als sehr wertvoll für den Berufseinstieg empfinde. Außerdem habe ich in meinem Fall die Möglichkeit, meine zweite Heimat, die Pfalz, noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel kennenzulernen.“

Zum Commerzbank-Umweltpraktikum
Seit 1990 fördert das Frankfurter Finanzinstitut deutsche Großschutzgebiete. Aktuell profitieren davon 27 Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservate. „Das Commerzbank-Umweltpraktikum ist eine feste Größe im gesellschaftlichen Engagement der Bank“, sagt Thekla Wießner, Projektleiterin bei der Commerzbank. „Wir freuen uns sehr, dass auch in diesem Jahr wieder 75 Studierende die nationalen Naturlandschaften tatkräftig unterstützen und gleichzeitig berufliche Perspektiven im Umweltschutz erleben.“ Seit dem Start 1990 haben durch das Commerzbank-Umweltpraktikum etwa 1.800 Praktikantinnen und Praktikanten in den teilnehmenden Großschutzgebieten zwischen Nordsee und Alpen einzigartige Orte für ihr Engagement gefunden.

Das Umweltpraktikum im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen
Das mindestens dreimonatige Umweltpraktikum im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen bietet die Chance, Natur intensiv zu erleben, Praxiserfahrung zu sammeln und berufliche Kontakte zu knüpfen.

Das Team des Biosphärenreservats Pfälzerwald bindet die Praktikantinnen oder Praktikanten aktiv in verschiedene Abläufe ein, um ein umfängliches Verständnis der Arbeit für nachhaltige Entwicklung in dem Großschutzgebiet zu vermitteln. Als Modellregion der UNESCO hat das Biosphärenreservat Pfälzerwald zum Ziel, das harmonische Zusammenleben von Mensch und Natur zu erproben und zu fördern. Die jungen Leute erhalten Einblick in Biosphärenreservats-Projekte etwa in den Bereichen nachhaltiges Wirtschaften, Landschaftspflege oder Schutz der Biodiversität. Sie haben auch die Gelegenheit, eigene Projekte umzusetzen, zum Beispiel in der Umweltbildung oder in der Öffentlichkeitsarbeit.

Neben spannenden Naturerlebnissen und lehrreichen Erfahrungen erhalten die Praktikanten und Praktikantinnen ein Praktikumsentgelt. Weitere Informationen und Hinweise zur Bewerbung finden sich unter www.umweltpraktikum.com.

Global Nachhaltige Kommunen im Blick der Ministerpräsidentin

Malu Dreyer informiert sich in Kallstadt über Projekte des Biosphärenreservats Pfälzerwald

Kallstadt als Station der Sommereise (von links): Bezirkstagsvize Dr. Klaus Weichel, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die Kallstadter Weinprinzessin Michelle, Ortsbürgermeister Dr. Thomas Jaworek sowie Prof. Dr. Gerald H. Haug und Ludwig Kuhn vom Zukunftsrat Nachhaltige Entwicklung Rheinland-Pfalz

 

„Ein solches Projekt wird hier ehrenamtlich geführt und ist damit ein Kraftakt für die Kommune“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer anerkennend beim Besuch der Ortsgemeinde Kallstadt; das Weinstraßendorf zählt nur 1.224 Einwohnerinnen und Einwohner. Da die diesjährige Sommerreise dem Thema „Nachhaltigkeit“ gewidmet ist, wollte die Ministerpräsidentin die Projekte des Biosphärenreservats „Pfälzerwald: SDG-Modellregion für ein nachhaltiges Rheinland-Pfalz“ und „Global Nachhaltige Kommune Pfalz“ kennenlernen, die mit der fachkundigen und finanziellen Unterstützung der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global umgesetzt werden. Gemeinsam mit zehn weiteren Kommunen hat sich Kallstadt zum Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit entlang der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) umzusetzen und die vielfältigen Initiativen des SDG-Aktionsplans der Nachhaltigkeitsstrategie besser steuern und nachhalten zu können.

Der stellvertretende Bezirkstagsvorsitzende Dr. Klaus Weichel erläuterte in seiner Begrüßung, dass der Bezirksverband Pfalz 2014 „sehr gerne die Verantwortung für das Biosphärenreservat Pfälzerwald übernommen hat und diese Aufgabe als Chance und Teilhabe versteht“. Seitdem sei viel geschehen – immer vor dem Hintergrund, dass der Rückhalt in der Bevölkerung wichtig sei, um das Biosphärenreservat umzusetzen. Er dankte Dreyer für die umfangreiche Förderung. Danach stellte die Direktorin des Biosphärenreservat Pfälzerwald, Dr. Friedericke Weber, die Projekte „Pfälzerwald: SDG-Modellregion für ein nachhaltiges Rheinland-Pfalz“ (2019-2021) und „Global Nachhaltige Kommune Pfalz“ (2022-2023) vor. Deren Ziele seien die Gewinnung der Kommunen, sich zu beteiligen, Nachhaltigkeitsstrategien zu erarbeiten und SGD-Aktionspläne zu entwickeln sowie die Vernetzung der Kommunen zu einem Nachhaltigkeitsnetzwerk, das sowohl die der ersten als auch die der zweiten Phase umfasse. Wichtig für das Projekt sei „eine bürgernahe Kommunikation“. Als Erfolge nannte sie neben der Erarbeitung von Aktionsplänen die Etablierung von Steuerungsgruppen, die regionale Vernetzung der Kommunen und Partnerschaften mit dem Globalen Süden wie beispielsweise Ruanda. Die Chancen für die Zukunft für die Kommunen liege in der Bildung und Bindung von Engagement, um die Ideen vor Ort umzusetzen, in der Einbindung von Akteuren zum gegenseitigen Lernen und zum Austausch, in der Veränderung, da das Thema der Nachhaltigkeit neu in den Kommunen sei, und in den politischen Entscheidungen. Die Chancen für das Biosphärenreservat bestünden darin, dass es seine Aufgaben breiter denken könne und sich nicht nur auf die klassischen „grünen Ziele“ begrenze.

Im Anschluss gab der Ortsbürgermeister von Kallstadt, Dr. Thomas Jaworek, Einblicke in die Nachhaltigkeitsstrategie und die nachhaltigen Aktivitäten der Ortsgemeinde. So seien durch die Bürgerschaft einige Vorhaben umgesetzt worden, wie zum Beispiel ein öffentlicher Bücherschrank, der Freifunk Weinstraße, wodurch das Ortszentrum mit freiem W-LAN versorgt werde, die Kleidertauschbörse und ein Dorfflohmarkt mit 60 Haushalten, was der Hälfte des Dorfes entspreche. Unter den verschiedenen Handlungsfeldern hob er den Weinbau hervor. So seien Wetterstationen und Sensoren in den Weinbergen im Einsatz, auf die alle Winzer zurückgreifen und ihre Pflanzenschutzmaßnahmen entsprechend und computergestützt ausrichten könnten. Dies bringe eine Einsparung von etwa 25 Prozent an Pflanzenschutzmitteln. Ziel sei es, bis 2030 nachhaltigen Weinbau zu betreiben. Zurzeit werde auch ein Geo-Naturwanderweg gemeinsam mit der Nachbargemeinde Herxheim am Berg realisiert. Die Ministerpräsidentin war beeindruckt von den zahlreichen Aktivitäten und dankte für das Engagement. „Nachhaltigkeitsstrategien leben davon, dass man nachhaltig dranbleibt.“ Daher wolle die Landesregierung „eine Plattform schaffen, um sich landesweit auszutauschen und von den Best-Practice-Beispielen gegenseitig zu lernen“.

Globale Nachhaltigkeit: Biosphärenreservats-Projekte stärken Kommunen

Kommunen spielen im Transformationsprozess zu einer globalen nachhaltigen Entwicklung eine entscheidende Rolle. Das Biosphärenreservat Pfälzerwald möchte Kommunen in dieser Hinsicht mit den Projektvorhaben stärken. An dem neuen Projekt „Global Nachhaltige Kommune Pfalz“, das bis Ende 2023 läuft, nehmen die Verbandsgemeinde Deidesheim, die Stadt Speyer sowie die Verbandsgemeinde Sprendlingen-Gensingen bei Bad Kreuznach teil. Das Biosphärenreservat Pfälzerwald führt das Projekt mit Unterstützung der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global und mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durch. Ziel des Projekts ist es, in einem partizipativen Prozess SDG-Aktionspläne mit Zielen und Maßnahmen zu erarbeiten und so die Agenda 2030 in Kommunen der Region strategisch zu verankern.

 Die Modellkommunen aus beiden Projekten werden bei der Umsetzung und Verstetigung ihrer Nachhaltigkeitsstrategien beraten und begleitet. Ein Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen findet fortlaufend statt. Die Kommunen sind neben der Ortsgemeinde Kallstadt, die Städte Pirmasens, Neustadt und Speyer, die Verbandsgemeinden Lambrecht, Maikammer, Deidesheim und Sprendlingen-Gensingen sowie die Ortsgemeinden Bad Bergzabern, Sippersfeld und Klingenmünster.

Unterstützt und beraten wird das Vorhaben durch den Projektbeirat und dem speziellen Engagement des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität, das Ministerium des Innern und für Sport sowie der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz.

Wandermarathon Pfälzerwald

Halbmarathons um das Biosphärenhaus und um das Haus der Nachhaltigkeit

Mit Spaß und Schwung durch den Pfälzerwald: Teilnehmende beim Wandermarathon im Biosphärenreservat Pfälzerwald (Foto: Elke Dilzer)

 

Am Sonntag, 30. Oktober, findet der diesjährige Wandermarathon Pfälzerwald in Form der beiden Halbmarathons am Biosphärenhaus Fischbach und am Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz über jeweils rund 22 Kilometer statt. Wegen der weiterhin ungewissen Lage bezüglich der Corona-Pandemie wird der Hauptmarathon über 42 Kilometer von Johanniskreuz nach Fischbach wie im letzten Jahr ausgesetzt.

Ab sofort können sich Wanderbegeisterte für die beiden Halbmarathonstrecken direkt über die Internetseiten des Biosphärenhauses in Fischbach unter www.biosphaerenhaus.de und des Hauses der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz unter www.hdn.wald.rlp.de anmelden. Die Halbmarathon-Wanderungen sind als Rundwanderungen auf attraktiven Routen um die beiden Häuser konzipiert, bei denen die etwaigen pandemiebedingten Hygieneregeln sicher eingehalten werden können. Eine Teilnahme kostet bei beiden Halbmarathons 15 Euro pro Person. Unter anderem ist darin ein Verpflegungsangebot an den persönlich betreuten Kontrollstationen enthalten.

Der Halbmarathon Fischbach führt unter dem Titel „Tour Bellevue“ über den Großen Rosberg zum Napoleonsfelsen und zum Aussichtspunkt „Wasgaublick“. Weiter geht es über den Großen Eyberg talabwärts entlang der Wooge im Schlettenbacher Tal zurück zum Start am Biosphärenhaus. Der Halbmarathon mit Start in Johanniskreuz trägt den Titel „Auf Luchsspur“. Er führt durch das Gebiet, in dem die Pfälzerwald-Luchse ausgewildert wurden. Der Weg geht über den Antonihof, streift die Kernzone Enkenbachtal, durchquert den Ort Speyerbrunn, folgt dem Erlenbachtal und erreicht den Schindhübelturm mit seiner grandiosen Aussicht über den zentralen Pfälzerwald. Von dort geht es am Naturdenkmal Mitteleiche vorbei über das Alte Forsthaus Johanniskreuz zurück zum Haus der Nachhaltigkeit.

Interessierte für den Hauptmarathon über 42 Kilometer von Johanniskreuz nach Fischbach müssen sich ein weiteres Jahr gedulden. Die Veranstalter planen, auch hierfür ein coronakonformes Konzept zu erarbeiten, das eine im Herbst stattfindende Veranstaltung mit großen Teilnehmerzahlen in Zukunft ermöglicht.

Der Bezirksverband Pfalz als Träger des Biosphärenreservat Pfälzerwald, die LAG Pfälzerwald plus, das Biosphärenhaus und das Haus der Nachhaltigkeit organisieren den Wandermarathon Pfälzerwald als eine gemeinsame Veranstaltung seit 2006.

Deutschlands Biosphärenreservate sind „Verrückt auf Morgen“

Mitmachwettbewerb für nachhaltige Projektideen

 

In 18 Gebieten hier in Deutschland verändern die UNESCO-Biosphärenreservate die Welt mit innovativen Ideen, um ein nachhaltiges und klimafreundliches Miteinander von Mensch und Natur zu ermöglichen. Sie erproben das Leben von morgen, damit eine gemeinsame Zukunft auf diesem Planeten gelingen kann. Mit der Initiative „Verrückt auf Morgen“ wird genau das bekannt gemacht und angeregt. Zu der Initiative gehört auch ein Mitmachwettbewerb.

„Wir setzen bereits heute viele gute Ideen im Bereich Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Naturschutz und Soziales um. Aber das ist noch nicht alles. Wir wollen auch die allgemeine Bevölkerung einbinden. Wir suchen Ideen, Projekte, Produkte oder Initiativen, damit wir diese in oder durch eines unserer Biosphärenreservate gemeinsam weiterentwickeln können”, erläutert der bekannte Fernsehmoderator und VIP-Wettbewerbsbotschafter Willi Weitzel, der auch in der Wettbewerbsjury sitzt.

Wer mitmachen möchte, sendet ihre oder seine Projektidee im Bereich Zukunft und Nachhaltigkeit bis zum 30. September 2022 über das Teilnahmeformular auf www.verrueckt-auf-morgen.de ein und hat die Chance, 1.000 Euro für die Umsetzung oder Fortführung des eingereichten Projekts sowie die Patenschaft eines ausgewählten Biosphärenreservats zu gewinnen.

Die Jury

In der Jury sitzt neben Willi Weitzel auch Ulrike Schade, Leiterin der Thüringer Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, sowie Vertreterinnen und Vertreter der UNESCO und der Biosphären-Schulen. Diese küren drei Gewinnerprojekte des Wettbewerbs „Verrückt auf Morgen”. Zudem wird das Projekt auf der „Verrückt auf morgen“-Roadshow mit Station in Berlin dem Bundestag vorgestellt.

Worauf kommt es an?

Maßgeblich ist der Innovationsgrad, mit dem Zukunft und Nachhaltigkeit im Rahmen eines Projekts vermittelt, gelebt, dargestellt oder analysiert werden. Außerdem von Relevanz ist die Anwendbarkeit des eingereichten Projekts für ein ausgewähltes Biosphärenreservat. Im Rahmen einer Patenschaft wird das Gewinnerprojekt umgesetzt oder weitergeführt.

Der Wettbewerb wird von Nationale Naturlandschaften e. V. im Rahmen der Imagekampagne „Verrückt auf Morgen“ veranstaltet. Die Gewinnerprojekte werden mittels Juryvoting ermittelt. Teilnahmeschluss ist der 30. September 2022. Teilnahmebedingungen und weitere Infos unter www.verrueckt-auf-morgen.de.