Neue Hirtenwege im Pfälzerwald Interview mit Projektleiter Helmut Schuler: Bilanz zum Jahreswechsel

Extensiv genutzte Wiesen und Weiden zählen zu den artenreichsten Lebensräumen im UNESCO Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Doch überall wo die Landschaftspflege durch Weidetiere langfristig fehlt, wird die typische Flora und Fauna unweigerlich von dichtem Buschwerk verdrängt und ihr Lebensraum geht verloren. Ihn zu schützen ist Ziel des Projekts „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“. Vor dem Hintergrund des dramatischen Artenverlustes in Deutschland kommt dem Vorhaben eine entscheidende Bedeutung zu. Aufgrund seines Vorbildcharakters wird das Projekt von Bund, Land und Bezirksverband Pfalz mit insgesamt rund 11,5 Millionen Euro finanziert. Das Fördergebiet umfasst rund 8.300 Hektar und ist Teil des Programms „chance.natur–Bundesförderung Naturschutz“.

Bereits 2017 ging das Projekt mit der Konzeptentwicklung an den Start. Die Umsetzungsphase, kurz Projekt II, begann im Frühjahr 2024. Der gesamte Prozess von der Planung bis zur Umsetzung nimmt über zehn Jahre in Anspruch, für das Projektteam gilt es auf dem Weg zahlreiche Aufgaben zu bewältigen.

 Wenn Sie auf das Jahr 2025 zurückschauen: Was war der größte Erfolg im Hirtenwegeprojekt? Was war die größte Herausforderung?

Wir sind sehr froh, dass wir mit unserem engagierten Team an verschiedenen Standorten im Pfälzerwald und am Haardtrand, wie beispielsweise am Haardter Schloss bei Neustadt oder in Leinsweiler, unterschiedliche Naturschutzmaßnahmen umsetzen können. Das bedeutet in einem ersten Schritt, dass wir stark überwachsene Flächen überhaupt erst für die Weidetiere wie z.B. Schafe zugänglich gemacht haben. Dabei kommen häufig Spezialmaschinen zum Einsatz, die besonders boden- und humusschonend arbeiten. In Hanglagen übernehmen oft Ziegen diese sogenannten „Erstentbuschungsmaßnahmen“.

Die größte Herausforderung ist für uns die Sicherung der Maßnahmenflächen. Der Ankauf oder die langfristige Pacht von künftigem Weideland ist Voraussetzung für eine Förderung der Maßnahmen. Die Pfalz ist als Realerbteilungsgebiet historisch bedingt stark durch die kleinteilige Besitzzerstückelung der Flächen geprägt. Daher gestaltet sich die Flächensicherung für uns als echte Herkulesaufgabe. Wir müssen mit hunderten von Parzelleneigentümern Kontakt aufnehmen und viel Überzeugungsarbeit leisten, um hektargroße Weideflächen zusammenhängend im Projekt nutzen zu können.

Wanderschäfer, die zusammen mit ihren Tieren in der Natur übernachten und über weite Strecken unterwegs sind gibt es heute praktisch nicht mehr. Wie sieht der Beruf des Schäfers heute aus?

Das Ziehen mit den Herden über weitere Strecken wie es zum Teil bis in die jüngste Vergangenheit noch üblich war, ist deutlich zurückgegangen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von der Zerschneidung der Landschaft durch Verkehrswege, dem Verlust von Zugwegen durch konkurrierende Nutzer bis zu Akzeptanzproblemen durch Bewohner und Besucher der Region. Bei der Herde zu übernachten, wie dies früher noch üblich war, ist für die meisten Schäfer heute nicht mehr zeitgemäß. Werden die Schafe traditionell gehütet, bedeutet dies ein Leben mit der Herde die ganze Woche über und bei jedem Wetter, was für viele Tierhalter zu beschwerlich ist. Heute übernachten die meisten Schäfer zu Hause und koppeln die Tiere auf Nachtweiden mit mobilen Zäunen. Die Zugwege großer Herden, die zu Projektbeginn noch von der Rheinebene bis in den Wasgau verliefen, haben sich bei den meisten Betrieben deutlich verkürzt. Das bedeutet für unser Projekt, dass wir die Schäfer auf den noch bestehenden Zugwegen durch vielfältige Maßnahmen unterstützen zum Beispiel indem wir Weideflächen sichern oder mobile Zäune bereitstellen.

Überall dort, wo es keine Reaktivierung dieser historischen Nutzungsform gibt, greifen wir auf extensive Beweidungsformen mit Schafen oder Robustrindern zurück.

Auch die Mahdnutzung in Form von wenigen, zeitlich dem Standort und der Vegetation angepassten Pflegeschnitten pro Jahr, spielt beim Schutz von Wiesen und Weiden als Lebensraum eine wichtige Rolle, denn das völlige Ausbleiben von Pflegeschnitten führt mit der Zeit ebenfalls zu einer Reduzierung des Blüten- und des Artenreichtums. Das Mähgut ist nicht zuletzt ein wichtiges Winterfutter für alle Weidetiere.

Sind Ziegen, Rinder und andere Weidetiere ein adäquater Ersatz für Schafe?

Der gezielte Einsatz des spezifischen Weideverhaltens ist der Schlüssel: Ziegen verbeißen Büsche und Sträucher und sind deshalb zur Erstpflege von Flächen bestens geeignet. Rinder und Schafe sind eher Grasfresser und werden vor allem dort eingesetzt, wo Flächen bereits für die Beweidung vorbereitet sind und dauerhaft offengehalten werden sollen. Weidende Rinder können aufgrund ihrer Vorliebe für Gräser in den offenzuhaltenden Grünlandbeständen dazu beitragen, wertvolle Kräuter zu fördern. Ihr Einsatz ist jedoch eher den weniger steilen Lagen vorbehalten. Ziegen und Schafe eignen sich als Leichtgewichte besonders für Steilhänge oder terrassierte Lagen.

Welche Flächen wurde durch Beweidung bereits als Offenland zurückgewonnen und wann kann man mit der Neuansiedlung von Fauna und Flora rechnen?

Wir haben bereits an verschiedenen Standorten Beweidungsmaßnahmen durchgeführt, beispielsweise unterhalb des Slevogthofes bei Leinsweiler oder am Haardter Schloss. Maschinelle Auflichtungen wurden bei Weyher oder in Gräfenhausen am Wingertsberg durchgeführt. Hier konnten wir einen ortsansässigen Schäfer gewinnen, der auf unseren Flächen nun sukzessive Flächen beweidet.

Die Neuansiedlung von Flora und Flora hängt von vielen Faktoren ab. Beispielsweise ist die Entwicklung von artenreichem Grünland auf bisherigen Waldstandorten in der Regel ein längerer Prozess als auf Flächen, die zum Teil noch mit Gräsern und Kräutern bewachsen waren. Auf solchen Standorten ist noch mit einem Samenpotential im Boden zu rechnen, das zügig wieder aktiviert werden kann.

Was sind die Projektziele für 2026?

Für 2026 möchten wir noch weitere Flächen für extensive Beweidungs- und Mahd-Maßnahmen erschließen und bestehende Beweidungen ausweiten. Zudem soll das Naturschutzgroßprojekt mit einer Wanderausstellung, die durch das Projektgebiet zieht, in der Region noch bekannter gemacht werden. Durch diese Kommunikationsarbeit möchten wir die Besucherinnen und Bewohner*innen des Biosphärenreservats noch stärker für das Projekt begeistern, denn nicht zuletzt gewinnt die lichtdurchflutete Offenlandschaft durch die Projektmaßnahmen deutlich an Attraktivität.

 Mehr zum chance.natur-Projekt unter www.hirtenwege-pfaelzerwald.de.

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Projektleiter Helmut Schuler unterwegs auf Beweidungsflächen. Foto: Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen/Franziska Keller

Biosphären-Bastel-Nachmittage 2026

Neue Veranstaltungsreihe in Lambrecht ab dem 9. Januar

Die Biosphärenakademie startet mit einer neuen Workshop-Reihe für Kinder ab sechs Jahren ins neue Jahr: Ab dem 9. Januar bis zum 27. Februar öffnen sich freitags, jeweils von 16 bis 18 Uhr die Werkstatträume in Lambrecht für Kinder, die Lust auf Basteln und Werken haben. Gemeinsam fertigen sie unter fachkundiger Anleitung Vogelfutterhäuschen, Samenkugeln, Minigewächshäuser, Setzkästen oder Kunstwerke aus Ton und Lehm. Jeder Bastelnachmittag widmet sich einem anderen Thema. Als Abschluss und Höhepunkt findet am Samstag, 28. Februar ein Aktionstag statt, an dem die selbstgebauten Kunstwerke präsentiert werden. Die Teilnahme ist an einem, an mehreren oder an allen Kursen möglich und kostet 6 Euro pro Kind und Bastel-Nachmittag. Eine erwachsene Begleitperson pro Kind ist frei.

Da die Anzahl der Plätze begrenzt ist, bittet die Biosphärenakademie um eine verbindliche Anmeldung per Mail an anmeldung@pfaelzerwald.bv-pfalz.de.

Weitere Informationen zum Programm gibt es auf der Website des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen unter https://www.pfaelzerwald.de/termine/kategorie/biosphaerenakademie/

oder telefonisch unter der Nummer 06325 9552-45. 

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Gemeinsames Arbeiten und Werken in der Biosphärenakademie. Foto: Biosphärenreservat/Kai Mehn.

Natur lieben und schützen / Biosphärenreservat zertifiziert PWV Waldfischbach-Burgalben als Bildungspartner

„Wenn ich als Kind etwas Lieben lerne, werde ich es als Erwachsener auch schützen,“ davon ist Dieter Simon, der Vorsitzende und Kopf des Pfälzerwald-Vereins Waldfischbach-Burgalben e.V., überzeugt. „Deshalb stehen Mensch und Natur bei uns im Mittelpunkt.“ Als neuer Bildungspartner im Biosphären-Netzwerk will er dazu beitragen, Wissen um die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu vertiefen und einen wertebasierten Umgang mit der Natur zu vermitteln.

Der Pfälzerwald-Verein Waldfischbach-Burgalben ist eine der ältesten Ortsgruppen des PWV und zählt aktuell rund 140 Mitglieder, davon sind 30 Kinder und Jugendliche. „Wir bieten Wanderungen, Walking- und Radtouren für alle Altersklassen an, aber die Jugendarbeit ist ein Schwerpunkt von uns“, sagt Simon. Auf dem Programm stehen regelmäßige Angebote für Junior Ranger, die von Tagesveranstaltungen bis zu Feriencamps reichen. Besonders die jährlich stattfindende „100 Kilometer Wanderung“ sei sehr beliebt, so Simon. „Die jungen Leute lernen bei ihren Ausflügen in die Natur das Biosphärenreservat in seiner Vielfalt und Einzigartigkeit kennen,“ fügt Simon an. Daher sei die Arbeit des Vereins unweigerlich mit dem Biosphärenreservat verknüpft.

Jugendliche, die aus dem Junior-Ranger-Alter herausgewachsen sind, und selbst eine Gruppe betreuen möchten, können seit letztem Jahr über den Verein an dem Ausbildungsprogramm „Grüne Juleica“ teilnehmen. Der Fokus liegt auch dabei auf Naturschutz und Nachhaltigkeit.  „So werden die Jugendlichen zu Multiplikatoren und übertragen ihre Begeisterung auf die nächste Generation“, erklärt Simon.

Wer mehr zu den Angeboten des Pfälzerwald-Verein Waldfischbach-Burgalben wissen möchte erhält erste Informationen unter www.pwv-wfb.de

Partnerbetriebe des Biosphärenreservats Pfälzerwald

Bei den Partnerbetrieben des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen handelt es sich um Modellbetriebe verschiedenster Branchen aus der Region. Sie zeigen mit ihrer Arbeit, wie Nachhaltigkeit ganz praktisch funktionieren kann und können so Anregungen und Tipps für andere liefern. Die Kriterien für Partnerbetriebe sind bundesweit in Biosphärenreservaten, Nationalparken und Naturparken gültig und garantieren einen hohen Standard, vor allem hinsichtlich Nachhaltigkeit und Qualität sowie Regionalität der Produkte und Dienstleistungen. Weitere Informationen zur Biosphären-Partner-Initiative unter www.pfaelzerwald.de/partner-biosphaerenreservat oder per Mail an a.weiss@Pfaelzerwald.BV-Pfalz.de

Das Partnernetzwerk wird über das Land Rheinland-Pfalz unterstützt.

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In der Biosphärenakademie in Lambrecht überreichte die Direktorin des Biosphärenreservats, Dr. Friedericke Stakelbeck, an Dieter Simon als Vertreter des Pfälzerwald-Verein Waldfischbach-Burgalben das Partnerschild. (Foto: Biosphärenreservat/Franziska Keller)

Umweltgerechte Landnutzung und artgerechte Tierhaltung / Heegers Hofladen im Netzwerk der Biosphären-Partnerbetriebe

Am nördlichen Eingangstor zum Pfälzerwald, in Breunigweiler, liegt Heegers Hofladen. Das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen zertifizierte den Betrieb aufgrund seiner umweltgerechten Wirtschaftsweise und nahm ihn damit in das Netzwerk von über 60 nachhaltig arbeitenden Betrieben und Unternehmen auf.

Heegers Hofladen ist spezialisiert auf Weidefleisch aus eigener Haltung. Neben einer artgerechten Tierhaltung setzt der Familienbetrieb auf eine naturnahe Landnutzung. Dazu zählt beispielsweise der Erhalt von Heckenstreifen oder die Pflege von Obstbaumkulturen durch Beweidung. Gleichzeitig leisten die robusten Aubrac- sowie einige Glan-Rinder einen wichtigen Beitrag zu Erhaltung offener Flächen.

„Unsere Kühe sind von Anfang April bis Mitte November auf der Weide und kommen nur über Winter zur Kalbung in einen mit Stroh eingestreuten Laufstall.  Unsere Schweine leben in Gruppen von acht Tieren ebenfalls auf Stroh. Das Futter für die Tiere produzieren wir selbst: Kleegrassilage und Heu für die Rinder, Getreideschrotmischung für die Schweine“, erläutert Inhaber und Metzgermeister Henrik Heeger. Seit Abschluss der Baumaßnahmen im Jahr 2020 schlachtet Heeger im hofeigenen Schlachthaus und erspart den Tieren damit Transport und Stress. Das wirkt sich auch in Bezug auf das Fleisch positiv aus, wie Heeger erklärt: „Wir verarbeiten ausschließlich das Fleisch von Tieren, die bei uns aufgewachsen sind. Wir nehmen Vorbestellungen entgegen und schlachten erst, wenn das ganze Tier verkauft ist – von der Nase bis zum Schwanz. Bei der Fleischverarbeitung verwenden wir weder Geschmacksverstärker noch fertige Gewürzmischungen. So garantieren wir eine hochwertige Qualität unserer Produkte.“ Als zertifizierter Partnerbetrieb des Biosphärenreservats möchte Heeger den Menschen vor Ort die Landwirtschaft wieder näherbringen und mit Vorurteilen aufräumen. „Unseren Gästen steht der Hof nach Absprache und samstags von 9 bis 13 Uhr offen“, sagt Heeger und lädt dazu ein, seinen Betrieb näher kennenzulernen.

Partnerbetriebe des Biosphärenreservats Pfälzerwald

Bei den Partnerbetrieben des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen handelt es sich um Modellbetriebe verschiedenster Branchen aus der Region. Sie zeigen mit ihrer Arbeit, wie Nachhaltigkeit ganz praktisch funktionieren kann und können so Anregungen und Tipps für andere liefern. Die Kriterien für Partnerbetriebe sind bundesweit in Biosphärenreservaten, Nationalparken und Naturparken gültig und garantieren einen hohen Standard, vor allem hinsichtlich Nachhaltigkeit und Qualität sowie Regionalität der Produkte und Dienstleistungen. Weitere Informationen zur Biosphären-Partner-Initiative unter www.pfaelzerwald.de/partner-biosphaerenreservat oder per Mail an a.weiss@Pfaelzerwald.BV-Pfalz.de

Weitere Informationen zum Hofladen Heeger unter www.hofladen-heeger.de

Das Partnernetzwerk wird über das Land Rheinland-Pfalz unterstützt.

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Der stellvertretende Direktor des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen, Arno Weiß, überreicht Henrik Heeger das Partnerschild. (Foto: Biosphärenreservat/Franziska Keller)

Umweltpraktikum im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen / Bewerbungsfrist läuft bis 15. Januar 2026

Die Bewerbungsphase für das Commerzbank-Umweltpraktikum 2026 hat begonnen. Das Angebot richtet sich an Studierende, die sich für den Schutz von Natur, Klima und Artenvielfalt begeistern und Spaß am Umgang mit Menschen haben. Interessierte können sich unter www.umweltpraktikum.com gezielt für ein Praktikum im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen bewerben. Die Frist läuft noch bis zum 15. Januar 2026. Das Praktikum ist auf eine Laufzeit von mindestens drei Monaten ausgelegt.

Als Modellregion der UNESCO hat das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen zum Ziel, das harmonische Zusammenleben von Mensch und Natur zu erproben und zu fördern. Die Praktikantinnen und Praktikanten dürfen sich auf spannende Naturerlebnisse und nachhaltigen Erfahrungen freuen. Sie lernen Projekte kennen, die sich nachhaltigem Wirtschaften, der Landschaftspflege oder dem Schutz der Biodiversität widmen. Gleichzeitig können sie im Bildungsbereich und in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv werden. Dabei haben sie die Gelegenheit, eigene Ideen einzubringen und umzusetzen.

Weitere Informationen und Hinweise zur Bewerbung und zum Praktikumsentgelt finden sich unter www.umweltpraktikum.com.

Das Commerzbank-Umweltpraktikum in deutschen Schutzgebieten

Das Commerzbank-Umweltpraktikum bietet jungen Menschen die Chance, die Arbeit in deutschen Großschutzgebieten intensiv zu erleben und dabei wichtige Kompetenzen für ihre spätere Berufswahl zu erwerben. Seit dem Start 1990 haben durch das Commerzbank-Umweltpraktikum rund 2.000 Praktikantinnen und Praktikanten in den teilnehmenden Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservaten zwischen Nordsee und Alpen einzigartige Orte für ihr Engagement gefunden.

Seit Anfang 2023 koordiniert der Nationale Naturlandschaften e.V., Dachverband der deutschen Nationalparke, Biosphärenreservate und Wildnisgebiete, das Umweltpraktikum und bereichert es auch inhaltlich mit seiner Expertise in den Themenbereichen Naturschutz, Biodiversität, Forschung, Umweltbildung, Besucherbetreuung und Naturerleben.

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Die Umweltpraktikantinnen im Jahr 2025. (Foto: Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen/Keller)

Landschaftspflege mit Ziegenböcken: Chance.natur-Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ startet naturnahe Beweidungen in Leinsweiler und Lindenberg

Nachdem das von Bund und Land geförderte chance.natur-Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ im vergangenen Jahr in die Umsetzungsphase startete, hat nun die Beweidung durch Ziegen und Schafe begonnen.
Von April bis Juni 2025 pflegten zwölf Böcke des Fördervereins Naturschutz und Landwirtschaft (FNL e.V.) aus Rinnthal einen Teil der ehemaligen Wingertsterrassen in Leinsweiler unterhalb des Slevogthofs. Ziel in dem rund 5,5 Hektar großen Areal ist es, eine parkartige und lichtdurchflutete Landschaft mit großer Bedeutung für die Artenvielfalt zu entwickeln: „Durch den künftigen, halboffenen Charakter wird das noch verbuschte Gelände eine deutliche Aufwertung erfahren. Seltene Vögel, Fledermäuse oder Wildbienen profitieren von dem Projekt, denn für sie ist die halboffene Landschaft als Jagdrevier oder zur Fortpflanzung in den Nisthöhlen der verbleibenden Biotopbäumen ideal“, erklärt Projektmitarbeiterin Anna-Maria Marstaller und fährt fort: „Nicht zuletzt sollen durch die sanften Übergänge zwischen Wald und Offenland Lebensräume mit vielen geschützten Arten wie der Zaunammer oder dem Wiedehopf entstehen.“
Bevor die Beweidung beginnen konnte, waren verschiedene Vorarbeiten notwendig. Zuerst sicherte das Team des chance.natur-Projekts in Kooperation mit der Gemeinde Leinsweiler die Flächen für das Beweidungsvorhaben. Dann musste Gelände freigeschnitten werden, um einen mobilen Weidezaun, der über das chance.natur Projekt finanziert wurde, aufzubauen. Hierzu fanden sich zahlreiche Helferinnen und Helfer, die die Pflegearbeiten in dem Naturschutzgebiet unterstützen und den Zustand der Tiere regelmäßig kontrollieren. „Das Vorhaben erfreut sich großer Beliebtheit in Leinsweiler, zumal die Landschaft durch ihren abwechslungsreichen Charakter mit den vierbeinigen Landschaftspflegern an Attraktivität gewinnt. Außerdem werden Sichtachsen über die Rheinebene bis in den Schwarzwald geschaffen“, freute sich der Bürgermeister von Leinsweiler, Jürgen Kohlmann. Die Gemeinde überstützt das Projekt von Beginn an.

In Lindenberg, im ehemaligen Steinbruch unterhalb der Cyriakuskapelle, ist seit diesem Mai eine Herde Thüringer Waldziegen unterwegs. Das chance.natur Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ finanzierte zur Beweidung des Geländes einen Weidezaun und einen mobilen Weideunterstand. Auch die Gemeinde Lindenberg engagiert sich für die Umsetzung des Projekts. Auf dem ein Hektar großen Gelände hatte sich nach der letzten Freistellungaktion durch ehrenamtliche Helfer im vergangenen Jahr die Robinie wieder großflächig ausgebreitet. Durch den Verbiss von Brennnesseln und Robinien lichten die Ziegen die Fläche wieder auf. „Das gesamte Ensemble aus Steinbruch und Kapelle gewinnt und wird ökologisch erheblich wertvoller. Wie in Leinsweiler so entstehen auch hier wichtige Lebensräume für seltene Reptilien wie die Mauereidechse oder Vögel wie den Wendehals“, so Marstaller.

Zum chance.natur-Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“
Wertvolle Offenlandbiotope sind auf eine regelmäßige extensive Nutzung angewiesen. Entfällt diese, wird die typische Flora und Fauna unweigerlich von dichtem Buschwerk verdrängt. Das chance.natur-Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ will gemeinsam mit weidetierhaltenden Betrieben gegensteuern. Das von Bund, Land und Bezirksverband Pfalz geförderte Projekt hat ein Gesamtvolumen von ca. 11 Mio. €. Es soll dazu beitragen, den Erhalt und die Entwicklung der einmaligen Kulturlandschaft mit ihren herausragenden Lebensräumen und besonders zu schützenden Tier- und Pflanzenarten langfristig zu sichern.

Weidetierhaltung und Wanderschäferei sollen gestärkt und das Netz der alten Hirtenwege wieder durchgängiger gemacht werden. Bereits verbuschte Biotope sollen reaktiviert und aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt, neue Flächen sollen erschlossen und aufgewertet werden. Dort, wo keine Wanderschäfer und -schäferinnen aktiv sind, sollen als Trittsteinlösungen auch Mischbeweidungen etwa mit Rindern zum Einsatz kommen. Vielfältige Maßnahmen werden auf den erschlossenen Flächen gemeinsam mit den Menschen der Region umgesetzt und eine an den Zielen des Naturschutzes orientierte Bewirtschaftung sichergestellt.

In der Planungsphase des Projekts „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ (2017 bis 2022) wurde ein Pflege- und Entwicklungsplan erarbeitet.

Die im Jahr 2024 gestartete Umsetzungsphase (Projekt II) wird bis 2033 laufen. Im etwa 8.300 Hektar großen Fördergebiet wird auf den Projektflächen in biotopersteinrichtende Maßnahmen wie etwa Entbuschung von Flächen, die Streuobstpflege, den Trockenmauerbau und vieles andere investiert.

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In Lindenberg weiden Ziegen im Rahmen des Projekts „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“. Foto: Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen

Den Klimawandel im Blick: Online-Vortragsreihe im Interreg-Projekt „Horizont Climatic“

Das Bild zeigt einen Blick auf die Stadt Lambrecht im Pfälzerwald.

Die Nutzung von fossilen Energieträgern prägt zunehmend das Landschaftsbild. Auch die Folgen des Klimawandels sind anhand von Phänomenen wie Hitzewellen, Bränden, Überschwemmungen, Bodenerosion oder dem Rückgang der Artenvielfalt wahrnehmbar. Vor diesem Hintergrund macht es sich das Interreg-Projekt „Horizont Climatic“ zur Aufgabe, den Wandel fotografisch zu dokumentieren. In diesem Zusammenhang dreht sich die Projektarbeit auch um Fragen zur Lebensweise der Menschen: Welche Möglichkeiten gibt es, um sparsamer und umweltverträglicher zu leben? Wie lässt sich die Widerstandfähigkeit der Natur unterstützen? Was wünschen sich die Menschen für ihre Zukunft und welche Gestaltungsmöglichkeiten haben sie?

Zu diesen und weiteren Fragestellungen startet im Rahmen von „Horizont Climatic“ am Donnerstag, 20. März, um 12 Uhr eine Online-Vortragreihe zu der alle interessierten Personen eingeladen sind. Die Kreativ-Denkerin Aline Frankfort aus Belgien ist mit ihrem Vortrag „Den Blick ändern, Landschaft verändern – Changer de regard, changer le paysage“ die erste Referentin der Reihe. Ihre Rede wird simultan ins Deutsche übersetzt. Frankfort ist Unternehmerin und zusammen mit Jean-Louise Baudoin Kopf der Agentur „Shapership“. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema „visionäre Zukunftsgestaltung“ und lädt ihr Publikum dazu ein, das bisher weitestgehend konsumorientierte System zu überwinden, um neue Lebensweisen zu finden. Wie man dabei alte Denkmuster durchbrechen und zu alternativen Lösungen gelangen kann, steht im Zentrum ihres Vortrags.

Die Vortragsreihe findet im Anschluss einmal pro Monat donnerstags von 12 bis 13.30 Uhr statt. Für alle französischsprachigen Vorträge dieser Reihe wird es eine Übersetzung ins Deutsche geben. Teilnahme unter webinar.horizontclimatic.eu/connect.

Interreg-Projekt „Horizont Climatic“
Der Klimawandel formt unsere Landschaft– aber wie? Um Veränderungen der Umgebung sichtbar zu machen, hat sich das Biosphärenreservat Pfälzerwald mit Expertinnen und Experten in Frankreich, Belgien und Luxemburg im Interreg-Projekt „Horizont Climatic“ zusammengeschlossen. Ziel ist es, ein fotografisches Landschaftsmonitoring aufbauen. Dabei werden ausgewählte Standorte über lange Zeit fotografisch dokumentiert. So können Entwicklungen gut beobachtet und greifbar gemacht sowie wichtige Schlüsse für die Zukunft gezogen werden.

Infos zum Projekt: https://www.pfaelzerwald.de/horizont-climatic

Bildunterschrift:
Um die Beobachtung der heimischen Landschaft und ihre Veränderungen geht es in dem Projekt „Horizont Climatic“. Das Bild zeigt einen Blick auf Lambrecht. Foto: Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen/Klaus Venus.