Tipp von unserer Kräuterpädagogin: Teil 6: Wegerich

Um den König des Weges geht es diesmal im Tipp unserer Kräuterpädagogin.

Petra Knoll ist als ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Team des Biosphärenreservats Pfälzerwald in Lambrecht tätig. Hier gibt sie regelmäßig einen Hinweis auf eine spannende Wildpflanze, die gerade gedeiht – mit wissenswerten Infos und einer Idee zur Verwendung!

Teil 6 der Reihe: Der Wegerich – dazu einfach hier klicken.

Artenvielfalt durch Offenhaltung im Karlstal

LIFE-Projekt des Biosphärenreservats unterstützt wichtige Beweidungsmaßnahme

In den letzten Jahren wurde durch den tendenziellen Rückgang der Tierhaltung im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen die Bewirtschaftung vieler Feuchtwiesen teilweise oder komplett aufgegeben. Schrittweise eroberte sich der Wald viele Flächen zurück. Durch die Entbuschung und Pflege von fünf Hektar Feuchtwiesen im Rahmen des EU-Projekts „LIFE Biocorridors“, das das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen umsetzt, wurden im Karlstal bei Trippstadt einzigartige Lebensräume wiederhergestellt.

Hiervon profitieren viele verschiedene Pflanzen- und Tierarten wie beispielsweise Libellen. Im Bereich der Bachläufe, die die Flächen durchqueren, kann sich so wieder die typische Ufervegetation ansiedeln. Zusätzlich fördert die Offenhaltung der Landschaft den Erhalt von Futterflächen für die Tierhaltung. Das Hofgut Neumühle, das Naturfreundehaus Finsterbrunnertal und das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen engagieren sich gemeinsam, um die Feuchtwiesen im Karlstal langfristig offenzuhalten. Nachdem die Weide und der zwei Kilometer lange Zaun mit dem Forstmulcher und teilweise in Handarbeit freigestellt wurden und der Zaun ausgebessert wurde, können seit Kurzem Glanrinder des Hofguts Neumühle die Fläche wieder beweiden.

Das Glanrind ist eine alte Haustierrasse mit Ursprung in der Pfalz. Nicht nur leisten die Tiere wie im Karlstal häufig einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt und zur Pflege einer attraktiven Kulturlandschaft – das Fleisch dieser relativ seltenen Rinderrasse ist durch die Sommerweidehaltung im Freien von hoher Qualität. Unter anderem kommt es bei den kulinarischen Glanrindertagen des Biosphärenreservats in dessen Partnerrestaurants auf den Teller.

Das EU-Projekt „LIFE Biocorridors“ will ein grenzüberschreitendes ökologisches Netzwerk im Biotopverbund Pfälzerwald-Nordvogesen schaffen. Hierfür werden verschiedene Maßnahmen in Wald, Wiesen und an Wasserläufen durchgeführt. Die Europäische Union sowie die Projektpartner in Frankreich und Rheinland-Pfalz stellen für das Projekt „LIFE Biocorridors“ insgesamt 3,6 Millionen Euro zur Verfügung. Mit 540.000 Euro fördert das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz die Umsetzung der Maßnahmen. Informationen auch unter www.lifebiocorridors-vosgesnord-pfaelzerwald.eu.

Für mehr Artenvielfalt im Kaltenbächel

LIFE-Projekt setzt Maßnahmen an Seitengewässer der Wieslauter im Wasgau um

Eine Maßnahme des grenzüberschreitenden Projekts „LIFE Biocorridors“, das im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen umgesetzt wird, soll die Artenvielfalt am Kaltenbächel erhöhen. Das Kaltenbächel ist ein ganzjährig wasserführender Quellbach, der als Zufluss in die Wieslauter mündet. In der Nähe des Ortseingangs nach Dahn, wo der kleine Bach unter einem Rad- und Wirtschaftsweg durchfließt, besteht die Unterführung aus einem engen Gussrohr mit einer Absturzkante von 30 Zentimetern. Die Wieslauter ist derzeit dadurch ökologisch vom Zufluss des Kaltenbächels weitestgehend abgetrennt, wodurch der Tierbestand im isolierten Gewässerabschnitt auch genetisch verarmt ist. Hier haben Fische wie die Groppe oder das Neunauge und andere Wasserlebewesen kaum eine Chance, aufzusteigen und zum Quellbereich zu wandern.

Eine Baumaßnahme, die jetzt genehmigt wurde, soll die Situation verbessern. Umgesetzt wird sie von Spätsommer bis Herbst, wenn die Entwicklung von Amphibien und Insekten abgeschlossen ist. Dann wird zunächst das enge Rohr, das unter dem Weg durchführt, durch ein neues offenes U-Profil mit größerem Querschnitt und durchgängiger Gewässersohle ersetzt. Die alte Verrohrung wird einseitig verschlossen und kann dann als Fledermausquartiert dienen. Zudem wird das untere Bachbett an seinen ursprünglichen Ort verlegt und der Gewässerlauf renaturiert. Unter anderem verfügt der Bach dann wieder über einen großen Wechsel zwischen breiten und engen, flachen und tiefen Stellen. Wasserbausteine werden eingebaut, so dass auch die Fließgeschwindigkeit variiert. Eine Studie unter anderem zu den Lebewesen, den Strukturen und den chemisch-physikalischen Eigenschaften des Kaltenbächels begleitet die Baumaßnahmen und wird durch das deutsch-französische Team des LIFE-Projekts gemeinsam durchgeführt.

Das EU-Projekt „LIFE Biocorridors“ will ein grenzüberschreitendes ökologisches Netzwerk im Biotopverbund Pfälzerwald-Nordvogesen schaffen. Hierfür werden verschiedene Maßnahmen in Wald, Wiesen und an Wasserläufen durchgeführt. Die Europäische Union sowie die Projektpartner in Frankreich und Rheinland-Pfalz stellen für das Projekt „LIFE Biocorridors“ insgesamt 3,6 Millionen Euro zur Verfügung. Mit 540.000 Euro fördert das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz die Umsetzung der Maßnahmen. Informationen auch unter www.lifebiocorridors-vosgesnord-pfaelzerwald.eu.

Abholservice, Gutscheine, Verkauf regionaler Produkte

Was die Partnerbetriebe des Biosphärenreservats während der Krise bieten

Landschaftspfleger und Lieferanten hochwertigen und leckeren Fleisches: Schafe und Lämmer auf den Wiesen des Pfälzerwalds (Foto: Biosphärenreservat)

Umweltschonend produzierte Produkte aus der Region, eine hohe gastronomische und handwerkliche Qualität, gute Bildung für nachhaltige Entwicklung und eine Gastfreundschaft, die auf Nachhaltigkeit ebenso wie auf Herzlichkeit setzt, garantieren hohen Genuss und liegen uns am Herzen. Das kommt auch im Partnernetzwerk des Biosphärenreservats zum Ausdruck, in dem sich rund 60 Betriebe verschiedener Branchen zusammengeschlossen haben.

Für alle, die auch während der Corona-Krise nicht auf gute und nachhaltige Qualität aus dem Pfälzerwald und von der Weinstraße verzichten wollen, hat das Team des Biosphärenreservats Informationen zu den Angeboten der Partnerbetriebe zusammengestellt. Von der Online-Bestellung verschiedener regionaler Produkte über Lammfleischverkauf nach Anmeldung bis zu Liefer- oder Abholservice von Restaurants – die Informationen sind hier zu finden: www.pfaelzerwald.de/partner-biosphaerenreservat

Die nächsten kulinarischen Aktionswochen, die das Biosphärenreservat gemeinsam mit seinen gastronomischen Partnerbetrieben durchführen möchte, wären die Weiderindtage von 5. bis 19. Juni. Das Biosphärenreservat Pfälzerwald informiert über www.pfaelzerwald.de/termine rechtzeitig darüber, ob diese in der gewohnten Form stattfinden können.

Süddeutsche Wander- und Hüteschäferei ist Immaterielles Kulturerbe der UNESCO

Jahrhundertealtes Kulturgut und wichtiger Beitrag zu Artenvielfalt und Biotopvernetzung

Seit Kurzem gehört die süddeutsche Wander- und Hüteschäferei zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO in Deutschland. Die Wander- und Hüteschäferei, die in den süddeutschen Mittelgebirgsregionen mit Flusstälern und in der Bodenseeregion praktiziert wird, spielt seit Jahrhunderten und bis heute eine wichtige Rolle für die Erhaltung der Kultur- und Naturlandschaft sowie der darin lebenden Tier- und Pflanzenarten. Aus dieser Beweidungsform sind sowohl die Mager- und Trockenrasen entstanden als auch die Wacholderheiden Baden-Württembergs. Die Schäferinnen und Schäfer müssen mit ihren Herden sowohl standörtliche als auch jahreszeitliche Wechsel bewerkstelligen. Dabei legen sie teilweise Strecken von bis zu 500 Kilometern zurück, um an die verschiedenen Sommer-, Herbst- und Winterweiden zu kommen. Oft sind die Weiden karge Gründe, die keine andere landwirtschaftliche Nutzung sinnvoll erscheinen lassen. Aber auch Flächen, die wegen der Aufgabe der Bewirtschaftung langsam verbuschen, werden von den Schäferinnen und Schäfern und ihren Herden besucht. Da die Tiere in ihren Klauen und in ihrer Wolle verschiedene Kleinstlebewesen und Pflanzensamen transportieren, leistet die Wanderschäferei einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt und der Vernetzung von Lebensräumen.

Die Vermittlung des Wissens um die Haltung, Züchtung und das Hüten und Führen der Tiere wie auch um die Nutzung verschiedener Weideflächen zu unterschiedlichen Jahreszeiten stellt wie die um die Wander- und Hüteschäferei entstandenen Schäferlieder, Schäferdichtungen und Schäfertänze ein wichtiges Kulturgut dar.

Verlauf der Zugwege im Süden Deutschlands im 19. Jahrhundert: Wanderschäferinnen und -schäfer haben mit ihren Herden über Jahrhunderte lange Strecken auch über das Gebiet des Pfälzerwalds hinweg zurückgelegt. (Grafik: Biosphärenreservat/frei, nach Wolfgang Jacobeit: Schafhaltung und Schäfer in Zentraleuropa bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, Akademie-Verlag, Berlin 1961)

Das chance.natur Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ beschäftigt sich im Südwesten Deutschlands, nämlich der Mittelgebirgsregion des Pfälzerwalds, mit der Wanderschäferei. Auch hier gab es nachweislich seit dem Mittelalter mehrere Zugwege der Wanderschäfer durch die Pfalz. Diese Tradition hat sich insbesondere im Pfälzerwald bis heute fortgesetzt und die pfälzischen Schäferinnen und Schäfer erfahren durch die Auszeichnung der UNESCO eine große Wertschätzung. Mithilfe der Wanderschäfer und der extensiven Tierhalter im Pfälzerwald soll ein großer Biotopverbund über eine Fläche von 8.200 Hektar entstehen. Das Projekt ist eines von 80 chance.natur Projekten in Deutschland. Die Projekte befassen sich mit Naturschutzthemen und sind in zwei Phasen aufgeteilt. In der ersten Phase, der Planungsphase, wird ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt. In der zweiten Phase geht es um die Umsetzung der Maßnahmen aus dem Pflege- und Entwicklungsplan. Das Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ befindet sich im Moment in der ersten Phase.

Das Projekt „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“ wird im Biosphärenreservat Pfälzerwald umgesetzt, Projektträger ist der Bezirksverband Pfalz. Die Förderung des Vorhabens erfolgt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie durch das Land Rheinland-Pfalz.

Informationen auch unter www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe.