Wo leben Leuchtkäfer im Pfälzerwald?

Biosphärenreservat präsentiert Ergebnisse der Glühwürmchen-Zählung

Unter dem Motto „Wir zählen Glühwürmchen – wer zählt mit?“ rief das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen im vergangenen Juni zur Teilnahme an einem Bürgerforschungsprojekt auf: Rund um den Johannistag sollten Glühwürmchen, die innerhalb des Biosphärenreservats gesichtet wurden, gezählt werden. Hintergrund war die Frage ob und wo es Glühwürmchen im Pfälzerwald gibt. Nun liegen die Auswertungen der Zählung vor. In einem Online-Meeting stellt das Biosphärenreservat am 19. November um 16 Uhr die Ergebnisse vor. Gleichzeitig bietet der digitale Austausch die Gelegenheit für Fragen. Teilnehmen können auch Menschen, die sich nicht an der Zählung beteiligt haben. Das Biosphärenreservat bittet um Anmeldung per Mail an gluehwuermchen@pfaelzerwald.bv-pfalz.de. Im Nachgang erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Meeting-Link. Wer nicht teilnahmen kann findet die Ergebnisse zeitnah auf der Homepage unter www.pfaelzerwald.de

“Wir haben uns sehr über die rege Teilnahme und die zahlreichen Meldungen gefreut. Anhand der Daten können wir erste Rückschlüsse darauf ziehen, wie viele Tiere im Pfälzerwald vorkommen und wo sie leben. Herzlichen Dank an alle, die sich beteiligt haben!”, erklärte Sarah Köngeter, die im Biosphärenreservat für den Bereich Forschung verantwortlich zeichnet.

Bildunterschrift: Zahlreiche Menschen beteiligten sich an dem Forschungsprojekt und zählten im Juni Glühwürmchen im Biosphärenreservat. Foto: Biosphärenreservat

Stauden statt Schotter

Biosphärenreservat fördert Artenvielfalt in Lambrecht

Gegenüber des Lambrechter Bahnhofs lädt eine öffentliche Grünfläche zum Innenhalten ein: hier bieten selbst im Oktober noch unterschiedliche Blüten Futter für Insekten. Eine Kräuterschnecke grünt, ein Sandarium liefert den Lebensraum für Reptilien wie die geschützte Mauereidechse. Welche Pflanzen und Tiere hier im Einzelnen zu finden sind, erklärt eine Infotafel. “Hier ist eine Fläche entstanden, die modellhaft zeigt, was klimaresiliente Grünanlagen ausmacht und was diese zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen. Hierzu wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt, die darauf abzielen, die ökologische Vielfalt zu fördern und einen Beitrag zum Klimaschutz sowie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu leisten”, sagte der Bezirkstagsvorsitzende Hans-Ulrich Ihlenfeld bei der offiziellen Übergabe der Fläche an die Gemeinde.
Die Grünanlage in Lambrecht ist eine von vier öffentlichen Anlagen, die auf Initiative des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen im Rahmen des grenzüberschreitenden Interreg-Projekts “Gärten für die Artenvielfalt” umgestaltet wurde. Wo zuvor auf rund 220 Quadratmeter Schotter und Thuja-Hecken bestimmend waren, wachsen jetzt rund 300 unterschiedliche naturnahe Stauden wie gelber Blasenstrauch, Kornelkirsche oder eingriffeliger Weißdorn.Zunächst hatte die Gemeinde in Eigenleistung den bestehenden Schotterbelag abgeräumt. Dann folgte in einem partizipativen Prozess und in enger Abstimmung mit der Gemeinde die Umgestaltung. Der Boden wurde größtenteils ausgetauscht und mit Holz neu eingefasst. “Ziel war, eine attraktive Fläche mit ganzjährigem Blühangebot zu schaffen, die sowohl eine durchgehende Nahrungsverfügbarkeit für Bestäuber und blattfressende Arten sicherstellt als auch dem außenstehenden Betrachtenden zu jeder Jahreszeit optische Reize bietet”, führte Antje van Look aus, die im Biosphärenreservat für das Projekt verantwortlich zeichnet und ergänzte: „Wir freuen uns ganz besonders, dass wir die modellhafte Neugestaltung der Fläche hier in Lambrecht realisieren konnten, wo auch die Geschäftsstelle des Biosphärenreservates Pfälzerwald ihren Sitz hat.“
Künftig wird sich die etwa zehnköpfige Natur- und Umweltgruppe unterstützt durch den örtlichen Bauhof um die Pflege der Anlage kümmern. Ortbürgermeister Andreas Ohler dankte der Gruppe für ihr Engagement und dem Biosphärenreservat für die Initiative.Gefördert wurde das Projekt von 2022 bis 2026 über INTERREG Oberrhein und das Land Rheinland-Pfalz. Weitere Informationen unter www.pfaelzerwald.de

Bildunterschrift: Übergabe der Grünfläche in Lambrecht mit (v.l.n.r.) Bezirkstagsvorsitzendem Hans-Ulrich Ihlenfeld, Biosphärenreservats-Direktorin Friedericke Stakelbeck, Bürgermeister Andreas Ohler und Projektleiterin Antje van Look. Foto: Biosphärenreservat/Franziska Keller

Herausragende Bedeutung für gesamte Region

Umsetzung des neuen Wanderwegekonzepts startet

Durch den Pfälzerwald soll künftig ein gestrafftes und qualitativ hochwertiges Grundwanderwegenetz führen, das auf den bestehenden Traditionswanderwegen des Pfälzerwald-Vereins aufbaut. Das Land Rheinland-Pfalz trägt mit einer Förderung von rund 1,5 Mio. Euro zur Umsetzung bei und übernimmt damit 75 Prozent der Gesamtkosten. Zur Übergabe des Fördermittelbescheid kam der Minister für Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima Rheinland-Pfalz, Michael Ebling, nach Lambrecht. Er stellte die Bedeutung des Projekts für die gesamte Region heraus: „Der Pfälzerwald ist eines der touristischen Aushängeschilder unseres Landes. Seine einzigartige Natur, die traditionsreichen Wanderhütten und die große Gastfreundschaft machen ihn zu einem besonderen Erlebnis für Gäste aus nah und fern. Mit dem neustrukturierten Wanderwegenetz investieren wir gezielt in die Qualität und Zukunftsfähigkeit des Wandertourismus. Davon profitieren nicht nur unsere Gäste, sondern auch die Gastronomie, die Beherbergungsbetriebe und die gesamte Region. Besonders freut mich, dass hier Kommunen, Verbände und Tourismusakteure gemeinsam Verantwortung übernehmen, um dieses besondere Angebot langfristig zu sichern. Ich freue mich, dass wir dieses Engagement und die Infrastruktur im Rahmen der Tourismusstrategie des Landes mit rund 1,5 Mio. Euro fördern können.“

Durch die Neustrukturierung entsteht ein 1.950 Kilometer langes Grundwanderwegenetz im Pfälzerwald, das nach modernsten Qualitätsanforderungen ausgeschildert und mit einer Vielzahl neuer Erholungsinfrastruktur ausgestattet wird. „Damit besteht die riesige Chance, unser touristisches Potential deutlich aufzuwerten, zu sichern und gemeinsam zu vermarkten und damit einen Meilenstein im Tourismus der Pfalz zu setzen. Durch eine zusätzliche Zertifizierung von größeren Teilen des Wegenetzes und die Ermöglichung von längeren Streckenwanderungen, die man in einfacher Weise selbst zusammenstellen kann, werden ganz neue Zielgruppen von Wanderern erreicht werden können, die Interesse an einem längeren, intensiveren Wandererlebnis in der Natur haben“, erklärte der Vorsitzender des Bezirkstags Pfalz, Hans-Ulrich Ihlenfeld.

Die Konzeption für dieses Wanderwegenetz entstand in den Jahren 2022 und 2023 auf Initiative des Pfälzerwald-Vereins unter der Trägerschaft des Bezirksverbands Pfalz in Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Pfälzerwald und in enger Abstimmung mit den beteiligten Kommunen sowie Vertreterinnen und Vertreterin aus Tourismus und Naturschutz. Auch dieser Projektabschnitt wurde aus Landesmitteln gefördert. Trotz der unterschiedlichen Interessens- und Ausgangslagen in den Kommunen und knapper Haushaltsmittel schlossen sich 24 Städte und Verbandsgemeinden im Pfälzerwald zusammen. In einem Kooperationsvertrag verpflichten sie sich zu Erstfinanzierung, dauerhafter Pflege und Zusammenarbeit beim Management des Wanderwegenetzes. „Das Wanderwegeprojekt ist in dieser Form eine interkommunale Zusammenarbeit mit dem Ehrenamt, die es im Biosphärenreservat in dieser Größenordnung noch nicht gab“, betonte die Direktorin des Biosphärenreservats, Friedericke Stakelbeck.

Ausgangspunkt für das Wanderwegeprojekts war die Chance, die Wanderwegestruktur des Pfälzerwaldes nachhaltig zu verbessern und neu aufzustellen. Gleich mehrere Faktoren sollen Pflege des Wegenetzes künftig deutlich einfacher und leichter machen: die Straffung des Wegenetzes, die Digitalisierung des Wegemanagements, die vereinfachte Markierungsweise und die Unterstützung durch die kommunale Hand. „Für den Pfälzerwald-Verein können wir heute voller Stolz vom konkreten Beginn eines Jahrhundertprojekts im Pfälzerwald sprechen“, sagte Martin Brandl, Hauptvorsitzender des Pfälzerwald-Vereins.

Konkret stehen in der Umsetzung in den kommenden Monaten wichtige Planungsarbeiten an. Ein Beschilderungs- und ein Demontagekataster muss erstellt werden, 75 Informationstafeln gehen in Vorbereitung, vorhandenen Möblierung wie Bänke und Picknickplätze werden dokumentiert und rund 50 neue Standorte für Ruheplätze festgelegt. Nicht zuletzt müssen Ausschreibungsunterlagen erarbeitet und die Ausführung betreut werden. Um die Arbeiten zu koordinieren hat sich eine projektbegleitende Steuerungsgruppe aus Kommunen, Biosphärenreservat, Pfälzerwald-Verein und Pfalz.Touristik gebildet. Das erste Treffen ist bereits im Dezember vorgesehen. „Der Pfälzerwald ist seit jeher eine der großen Wanderregionen Deutschlands. Seine Wälder, Felsen, Täler und Aussichtspunkte sind ein Stück Heimat und zugleich ein wichtiger Grund, warum Menschen aus nah und fern zu uns kommen. Wir wollen den Pfälzerwald als Wanderregion weiter stärken. Für ein solches Projekt braucht es starke Partner. Kommunen, Bezirksverband, Biosphärenreservat, Pfalz Touristik und Pfälzerwald-Verein arbeiten Hand in Hand. Heute danken wir außerdem der Unterstützung des Landes, das die Bedeutung der Neukonzeption ebenso befürwortet“, sagte Ihlenfeld abschließend.

 

Zitate

Der Pfälzerwald ist seit jeher eine der großen Wanderregionen Deutschlands. Seine Wälder, Felsen, Täler und Aussichtspunkte sind ein Stück Heimat und zugleich ein wichtiger Grund, warum Menschen aus nah und fern zu uns kommen. Das bestehende Wanderangebot mit seinen zahlreichen ausgezeichneten Wegen ist bereits beeindruckend. Aber Qualität bedeutet auch, sich weiterzuentwickeln. Die Neukonzeption ermöglicht ein Wegenetz, das übersichtlich, attraktiv, nachhaltig und qualitativ hochwertig ist. Wir wollen den Pfälzerwald als Wanderregion weiter stärken. Er ist ein touristischer Magnet, aber auch der wichtigste Erholungsort für uns Pfälzerinnen und Pfälzer. Gut geplante Wege, die verlässlich gepflegt werden, sind dafür unerlässlich. Für ein solches Projekt braucht es starke Partner. Kommunen, Bezirksverband, Biosphärenreservat, Pfalz Touristik und Pfälzerwald-Verein arbeiten Hand in Hand. Heute danken wir außerdem der Unterstützung des Landes, das die Bedeutung der Neukonzeption ebenso befürwortet.
Landrat und Vorsitzender des Bezirkstags Pfalz, Hans-Ulrich Ihlenfeld

Der Pfälzerwald ist eines der touristischen Aushängeschilder unseres Landes. Seine einzigartige Natur, die traditionsreichen Wanderhütten und die große Gastfreundschaft machen ihn zu einem besonderen Erlebnis für Gäste aus nah und fern. Mit dem neustrukturierten Wanderwegenetz investieren wir gezielt in die Qualität und Zukunftsfähigkeit des Wandertourismus. Davon profitieren nicht nur unsere Gäste, sondern auch die Gastronomie, die Beherbergungsbetriebe und die gesamte Region. Besonders freut mich, dass hier Kommunen, Verbände und Tourismusakteure gemeinsam Verantwortung übernehmen, um dieses besondere Angebot langfristig zu sichern. Ich freue mich, dass wir dieses Engagement und die Infrastruktur im Rahmen der Tourismusstrategie des Landes mit rund 1,5 Mio. Euro fördern können.
Minister für Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima Rheinland-Pfalz, Michael Ebling
Für den Pfälzerwald-Verein können wir heute voller Stolz vom konkreten Beginn eines Jahrhundertprojekts im Pfälzerwald sprechen. Die Pfade, die unsere Gründerväter noch selbst ausgetreten haben, haben den Pfälzerwald erst zu der Wanderregion gemacht, die er heute ist. Dieses Wegenetz hat seit mehr als 120 Jahren Bestand. Gemeinsam mit dem Bezirksverband, dem Biosphärenreservat, den Kommunen und der Pfalz.Touristik und dank der Förderung des Landes ist es nun gelungen, das Wegenetz und seine Markierungen grundlegend zu überarbeiten. Das ist eine großartige Nachricht für unsere Heimat und genau das, wofür sich mehr als 33.000 Mitglieder im Pfälzerwald-Verein engagieren: den Pfälzerwald zu erhalten und erlebbar zu machen. Der Pfälzerwald-Verein hat erreicht, dass die Pfälzerwald-Hüttenkultur als Immaterielles Kulturerbe anerkannt ist, und trägt mit den Hütten seiner Ortsgruppen zur Einzigartigkeit des Pfälzerwaldes bei. Das modernisierte Wegenetz hilft uns, unser Ehrenamt auch in Zukunft gut auszuüben.
Hauptvorsitzender des Pfälzerwald-Vereins, Martin Brandl

Die Umsetzung des neuen Wegekonzepts ist für das UNESCO Biosphärenreservat Pfälzerwald und die Besucherlenkung eine große Chance: erstmals werden die nachhaltige Pflege und das (digitale) Management der Wanderwege über die kommunalen Grenzen hinweg in einer gemeinsamen Vereinbarung verankert. So können Prozesse wie die Qualitätssicherung optimiert werden. Insbesondere das Modellhafte an dem Vorhaben, die interkommunale Zusammenarbeit und die Einbindung der Akteure vor Ort, wie Kommunen, Ehrenämtlern des Pfälzerwald Vereins oder Touristiker*innen, eröffnen anderen Regionen die Möglichkeit, von dem Vorhaben zu lernen. Damit kann das Biosphärenreservat, das im Wesentlichen das Projekt für den Bezirksverband Pfalz steuert, seinem Auftrag als beispielhafte Modellregion der UNESCO gerecht werden.
Direktorin des UNESCO Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen, Dr. Friedericke Stakelbeck

Bildunterschrift: Gut beschilderte Wanderwege machen den Pfälzerwald zu einem überregional beliebten Ausflugsziel. Foto: Biosphärenreservat/Yannick Baumann

Wo sich Natur frei entfaltet – Bedeutung der Kernzonen im Pfälzerwald

Was geschieht, wenn der Mensch die Natur sich selbst überlässt? Wo gibt es Konflikte? Wo liegt der Nutzen? Um diese Fragen zu beantworten, lohnt der Blick in die Kernzonen des UNSECO Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen, wo sich die Natur ungestörter entwickeln kann. Auf Initiative der Geschäftsstelle des Biosphärenreservats und des Hauses der Nachhaltigkeit von Landesforsten fand in Johanniskreuz in der vergangenen Woche eine Fachtagung zur Bedeutung dieser Schutzzonen statt. Unter dem Motto “Wo sich Natur frei entfaltet” diskutierten Expertinnen und Experten aktuelle Forschungsprojekte mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Kernzonen machen im rund 180.000 Hektar umfassenden deutschen Teil des Biosphärenreservats drei Prozent der Fläche aus und verteilen sich auf zwanzig Einzelbereiche, in denen seit Jahren keine wirtschaftliche oder touristische Nutzung mehr stattfindet. Die Kernzone „Quellgebiet der Wieslauter“ ist mit rund 2.400 Hektar die größte dieser Schutzzonen.
„Rheinland-Pfalz ist mit 43 Prozent Waldfläche das waldreichste Bundesland. Der Pfälzerwald spielt hierbei eine besondere Rolle, denn er gehört zu den größten zusammenhängenden Waldnaturräumen Westeuropas. Er schafft ein einmaliges Landschaftsbild. In seinen Kernzonen, in der sich die Natur ohne menschliche Eingriffe eigendynamisch entfaltet, können wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse zur natürlichen Waldentwicklung gewonnen werden“, sagte Umwelt- und Forststaatssekretärin Kristina Brixius, die das Fachsymposium in Johanniskreuz mit einem Grußwort eröffnete.

Ulf Hohmann von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwissenschaft stellte seine Studie zur Entwicklung des Rotwildes in den vergangenen 19 Jahren in und rund um die größte Kernzone des Pfälzerwaldes vor. Dabei zeigte er das komplexe Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren auf, die das Verhalten und den Bestand der Tiere beeinflussen. So habe sich, anders als von vielen erwartet, die Population durch das Jagdverbot in der Kernzone keineswegs erhöht. Auch Schäden durch Verbiss hätten weder in der Kernzone noch im Umfeld zugenommen. Schälschäden haben dort abgenommen, wo Störungen im Wald reduziert werden konnten. Die Studien kann man nachlesen unter https://fawf.wald.rlp.de

Um das Wiederansiedlungsprojekt von Luchsen ging es in dem Impulsvortrag von Julian Sandrini vom Koordinationszentrum für Luchs und Wolf (KLUWO). Die Tiere hätten sich gut etabliert, erklärte er und die Akzeptanz für die Beutegreifer sei sehr hoch. Allerdings seien im letzten Jahr mehrerer Jungtiere mit schweren Augenschäden zur Welt gekommen, was möglicherweise auf Inzucht zurückzuführen sei. Um die genetische Vielfalt und Gesundheit der Tiere zu sichern, sollen in den kommenden fünf Jahren weitere Luchse im Pfälzerwald angesiedelt werden. Das Forschungsteam bestimmt die Verwandtschaftsverhältnisse der Tiere im Pfälzerwald durch das systematische Sammeln und Analysieren von Losungen, Haaren und Gewebeproben. 19 Tiere seien aktuell im Pfälzerwald heimisch, berichtete Sandrini. Die Musterung des Fells sei vergleichbar mit dem Fingerabdruck eines Menschen. Daher könne jedes Tier, das in eine Kamerafalle läuft, identifiziert werden. Die Chance, den scheuen Tieren in freier Wildbahn zu begegnen, sei sehr gering.

Ohne forstwirtschaftlich und jagdliche Nutzung entwickelt sich in den Kernzonen der Urwald von morgen. Die Veränderungen geschehen im Verborgenen, sind aber den gleichen Beeinträchtigungen durch den Klimawandel und Luftschadstoffe ausgesetzt, wie der bewirtschaftete Wald. Um Entwicklungen für die breite Öffentlichkeit sichtbar zu machen, entsteht eine Fotodokumentation. Stefanie Ofer vom Biosphärenreservat, die im internationalen, Interreg-geförderten Projekt “Horizont Climatic” insgesamt 70 Standorte im Biosphärenreservat regelmäßig aufnehmen lässt, zeigte Foto-Standorte aus den Schutzzonen. Im Vorher-Nachher-Vergleich sind die Bilder unter www.horizontclimatic.eu zu sehen. Mit fortschreitender Zeit würden sich die Entwicklungen, positive wie negative, deutlich ablesen lassen, erklärte Ofer. Das Forschungsprojekt ist auf 30 Jahre angelegt und ging 2025 mit ersten Aufnahmen an den Start.

Einen Blick in andere Schutzgebiete gewährte Stefanie Gärtner aus dem Nationalpark Schwarzwald. Sie zeigte anhand der Methodik von Langzeitstudien wie die Entwicklung der Artenvielfalt beobachtet werden kann. Als Beispiele nannte sie Käferarten, die im Totholz leben und Relikte aus der Urzeit sind. Deren Zahlen nehmen im Nationalpark wieder zu. Oder die Verbreitung der zitronengelben Tramete, ein Pilz, der auf der Roten Liste steht und stark gefährdet ist.

Weitere Informationen zum Biosphärenreservat und dem Thema Kernzonen unter www.pfaelzerwald.de

Bildunterschrift: Stefanie Gärtner, Stefanie Ofer und Ulf Hohmann (v.l.n.r.) im Austausch während der Kernzonentagung. Foto: Biosphärenreservat/Franziska Keller

Back- und Bastelnachmittag in der Biosphärenakademie – Von Schokolade bis Wikingerschach

Die Biosphärenakademie in Lambrecht nimmt die erfolgreiche Reihe der Back- und Bastelnachmittage für Familien und Kinder ab sechs Jahren wieder auf. Bis Jahresende stehen vier Termine auf dem Programm, die jeweils freitags von 16 bis 19 Uhr stattfinden.

Stockbrot neu gedacht
Am Freitag, 13. November treffen sich Familien und Kinder am Lagerfeuer. Gemeinsam erproben sie neue Stockbrot-Rezepte. Die Möglichkeiten reichen von Laugenstockbrot mit selbstgemachten Dips bis zu süßem Hefestockbrot mit Toppings wie Kokosraspeln, Schoko-Chunks oder Nüssen.

Wikingerschach selbst gebaut
Ein Wikingerschach ist kein Schachspiel im klassischen Sinn, sondern ein Wurfspiel, das auf der Wiese, am Strand oder im Garten gespielt werden kann. Gewonnen hat, wer am Ende das Königsholz des Gegners trifft. Am Freitag, 20. November bauen Familien und Kinder ab sechs Jahren ihre eigenes Wikingerschach in der Biosphärenakademie. Der Kurs schließt mit einem Probespiel zum Kennenlernen der Spielregeln.

Individuelle Schokolade

Wie wird Schokolade gemacht und was ist alles darin enthalten? Antwort auf diese Fragen gibt die Biosphärenakademie am Freitag, 27. November. Gemeinsam stellen die Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen Schokolade her und dürfen dabei ihre eigenen Kreationen und Geschmacksrichtungen entwickeln.

Kerzen ziehen
Am Freitag, 4. Dezember, dreht sich in der Nachmittag in der Biosphärenakademie um Kerzen aus Bienenwachs. Die Teilnehmenden lernen dabei unterschiedliche Methoden der Herstellung kennen und können ihrer Kreativität beim Gestalten der Kerzen freien Lauf lassen. Außerdem erfahren sie, warum es sich bei Bienenwachs um ein nachhaltiges Naturprodukt handelt.

Die Teilnamegebühr liegt pro Person und Termin bei 10 Euro. Anmeldeschluss ist eine Woche vor der jeweiligen Veranstaltung. Anmeldung per E-Mail an: anmeldung@pfaelzerwald.bv-pfalz.de, Rückfragen per Telefon unter 06325 9552-44

Weitere Informationen unter www.pfaelzerwald.de

Bildunterschrift: In der Holzwerkstatt entstehen individuelle Holzfiguren für ein selbstgebautes Wikingerschach. Foto: Biosphärenreservat/Uli Diehl

Quellen im Pfälzerwald – Forschungsprojekt mit ehrenamtlichen Helfern

Im Biosphärenreservat Pfälzerwald gibt es rund 2000 Quellen. Sie sind Lebensraum für seltene Moose, Insekten und Amphibien. Gleichzeitig sind Quellen von großer Bedeutung für den gesamten Wasserhaushalt. Sie speisen Bäche und Flüsse und stabilisieren den Grundwasserspiegel. Intakte Quellen wirken wie natürliche Speicher: Sie geben Wasser langsam ab, lindern Trockenzeiten und tragen dazu bei, die Natur lebendig und widerstandsfähig zu erhalten.

Um den Zustand der Quellen im Pfälzerwald bestimmen zu können, sucht das Biosphärenreservat ehrenamtliche Helfer. Wer sich für eine Mitarbeit interessiert erhält alle wichtigen Informationen in einer kostenlosen Fortbildung am Freitag, 21. August von 13.40 bis 19.30 Uhr in der Biosphärenakademie in Lambrecht. Sie setzt sich aus einem theoretischen und einem praktischen Teil in der freien Natur zusammen. Die Freiwilligen lernen dabei, wie man Quellen findet, beschreibt und dokumentiert. Die Arbeit kann sofort nach der Weiterbildung beginnen. Die Anzahl der Einsätze liegt im Ermessen der Freiwilligen. Je mehr Daten erhoben werden desto wertvoller ist die Mitarbeit für den Schutz der Quellen.

Die erhobenen Daten helfen dem Biosphären-Team, Renaturierungs- und Revitalisierungsmaßnahmen zu planen, um diese einzigartigen Lebensräume zu erhalten. Insgesamt wird es vier Fortbildungen an verschiedenen Standorten im Biosphärenreservat geben. Um eine Quellenkartierung durchzuführen, reicht eine einmalige Teilnahme. Anmeldungen und Fragen per Mail an s.koengeter@pfaelzerwald.bv-pfalz.de. Weitere Informationen unter https://www.pfaelzerwald.de/projekte/quellenkartierung/

Die Maßnahme wird mit Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz gefördert.

Bildunterschrift:
Sturzquelle im Pfälzerwald. Foto: Biosphärenreservat/ Holger Schindler