Neukonzeption des touristischen Wanderwegenetzes für das Gebiet des Biosphärenreservats Pfälzerwald

Der Bezirksverband Pfalz als pfalzweiter kommunaler Dachverband und Träger des Biosphärenreservats Pfälzerwald ist dabei, eine mit Finanzmitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz geförderte Neukonzeption des Wanderwegenetzes im Pfälzerwald auf den Weg zu bringen. Er arbeitet dabei eng mit dem Pfälzerwald-Verein zusammen. In einer Online-Auftaktveranstaltung mit rund 100 Teilnehmenden wurde das Projekt nun offiziell gestartet und vorgestellt. Theo Wieder, der Vorsitzende des Bezirkstags Pfalz, sagte: „Wir sind eine touristische Region und stehen auch im Wettbewerb mit anderen touristischen Regionen. In vielen anderen Gebieten wird bereits sehr ganzheitlich zusammengedacht, in dieser Hinsicht können wir uns noch verbessern. Dieses Projekt bietet eine große Chance dazu.“
Auch Martin Brandl, der Hauptvorsitzende des Pfälzerwald-Vereins sieht in dem Vorhaben wichtige Entwicklungsmöglichkeiten, er freute sich „auf eine gute Zusammenarbeit mit vielen guten Ideen.“ Brandl betonte: „Ich möchte eine Lanze brechen für alle Ehrenamtlichen, die sich als Wegewarte im Pfälzerwald engagieren.“ Einige täten dies bereits seit Jahrzehnten. „Es ist wichtig, dieses Erbe zu bewahren und in eine sichere Zukunft zu führen“, so Brandl.
Ausgangspunkt, die Neukonzeption des Wanderwegenetzes im Biosphärenreservat anzugehen, war eine Initiative des Pfälzerwald-Vereins. Da die Herausforderungen bei der Unterhaltung der Wanderwege und der Verkehrssicherung der wegebegleitenden Infrastruktur steigen, gleichzeitig allerdings die Zahl der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer seit Jahren rückläufig ist, sieht sich der Verein gezwungen, seine Wegemarkierungen auf den Prüfstand zu stellen und diese zukunftsfest zu machen. Zudem hat sich auch das Wanderverhalten verändert. Im Vordergrund stehen heute nicht mehr lange, zum Teil mehrtägige Streckenwanderungen. Die Wanderer und Wanderinnen suchen vielmehr themenorientierte Rundwanderwege, die wichtige touristische Ziele wie Burgen, Felsen sowie Hütten des Pfälzerwald-Vereins und der Naturfreunde und andere Gasthäuser einbinden. Wege mit mittlerer oder längerer Strecke sollten klar und eindeutig gekennzeichnet und im Wesentlichen durch Klartextschilder erschlossen sein, an markanten Stellen und Weggabelungen sollten touristische Ziele und die zurückzulegende Entfernung angegeben werden.
Arno Weiß, der das Projekt beim Biosphärenreservat Pfälzerwald steuert, erläuterte die Hintergründe und Ziele: „Hauptgegenstand der Neukonzeption ist eine Überarbeitung und Straffung der Pfälzerwald-Vereins-Streckenmarkierungen, um diese qualitativ zu verbessern und zu einem zentralen Grundgerüst touristisch interessanter Wege im gesamten Pfälzerwald zu machen, das einheitlich beschildert ist und nachhaltig gepflegt werden kann.“ Dazu sollen aufbauend auf den bereits vorhandenen Wanderwegen der Städte und Verbandsgemeinden geeignete Anpassungen und Neuvernetzungen der Wanderwege des Pfälzerwald-Vereins erfolgen. In den Verbandsgemeinden, in denen bislang noch kein Wanderwegenetz auf der Basis des Besucherlenkungssystems für das Biosphärenreservat Pfälzerwald erstellt worden ist, soll das im Zuge dieses Projekts nachgeholt werden, um bestehende Lücken zu schließen. Als Endergebnis soll dann für den Pfälzerwald ein Konzept für ein abgestimmtes, einheitliches und umfassendes Wanderwegenetz mit hohem touristischem Potential vorliegen.
Die Neukonzeption der Wanderwege wird in einem partizipativen Prozess in enger Abstimmung mit den betroffenen Akteurinnen und Akteuren erarbeitet, unter anderem mit Vertretern und Vertreterinnen des Pfälzerwald-Vereins, mit der Pfalztouristik, mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, mit den Forstbehörden, mit den Natursport- sowie den Naturschutz-Verbänden und den kommunalen Gebietskörperschaften.
Als Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung wurde der Auftrag für die Neukonzeption der Wanderwege Ende des Jahres 2021 an zwei Planungsbüros vergeben. Diese haben bereits mit den Arbeiten zur Erfassung des Wegebestands begonnen. Die Auftragnehmer erläuterten bei der Auftaktveranstaltung die Ausgangssituation mit den zahlreichen Wanderwegen in den unterschiedlichen Kategorien und Zertifizierungen wie auch das weitere Vorgehen im Projekt, unter anderem mit verschiedenen Workshop-Runden. Die Neukonzeption der Wanderwege im Pfälzerwald soll möglichst bis Ende November 2022 abgeschlossen sein. Daran anschließend soll in einem zweiten Projektschritt in die Umsetzungsphase gegangen werden. „Nach Abschluss der Konzeption wird es für die Umsetzung ein weiteres Förderverfahren geben. Diese werden wir voraussichtlich 2023 angehen und hoffen, sie bis Ende nächsten Jahres auch abschließen zu können“, erklärte Wieder.
Für das Gesamtprojekt mit einem Volumen von rund 255.000 Euro erhält der Bezirksverband Pfalz vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz einen Zuschuss von rund 205.000 Euro.
Das Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen und Landesforsten Rheinland-Pfalz haben gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern die neue Junior Ranger-Saison geplant. Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis zwölf Jahren erleben und erforschen bei fünftägigen Camps in der Natur das Biosphärenreservat. Weitere Angebote richten sich an alle Teilnehmenden am Junior Ranger-Programm sowie speziell an Junior Rangerinnen und Ranger ab 10 beziehungsweise ab 12 Jahren.

Gemeinsam mit der Gemeinde St. Martin führt das Biosphärenreservat Pfälzerwald das Beweidungsprojekt seit 2011 durch. Jetzt wurden alle Eingänge zur Beweidungsfläche, die am vier Kilometer langen „Auerochsen“-Rundweg liegen, mit neuen Schildern versehen, die auf das richtige Verhalten beim Spazieren in der Nähe der Tiere hinweist. Wichtige Regeln sind unter anderem, nicht mit Hunden in das Beweidungsgebiet hineinzugehen, auf den Wegen zu bleiben, die Tiere nicht zu füttern und einen Sicherheitsabstand zu den Tieren einzuhalten. Entlang des Hauptwegs, der um das Gebiet führt, sind Geländer angebracht, hinter denen man im Falle schnell herannahender Rinder Schutz suchen kann. Derzeit gibt es drei Jungtiere in der Heckrinder-Herde – deshalb ist besondere Vorsicht geboten, denn die Muttertiere möchten ihren Nachwuchs beschützen und können nahende Besucherinnen und Besucher als Bedrohung empfinden.
Die Kartierung ist einer der wichtigsten Bestandteile im Pflege- und Entwicklungsplan (genaueres folgt demnächst unter „P“) des chance.natur-Projekts „Neue Hirtenwege im Pfälzerwald“. Bevor irgendeine Maßnahme im Fördergebiet des Projekts geplant werden kann, muss erst einmal erfasst werden, welche Tier- und Pflanzenarten auf den Flächen vorhanden sind. Die Planung der Maßnahmen hängt nämlich davon ab. Haben wir beispielsweise eine außergewöhnliche Pflanzenart (wie den Wiesenknopf) auf einer Fläche, deren Vorkommen durch Mahd (man könnte auch Mähen sagen) eingeschränkt werden würde, so muss eine Maßnahme geplant werden, die den Schutz dieser Pflanze gewährleistet. Das kann vielleicht nur durch eine Beweidung mit Schafen geschehen. Leider kann nicht für jede einzelne Tier- oder Pflanzenart eine eigene Maßnahme erstellt werden, deshalb versucht man, mit einigen Maßnahmenvorschlägen mehrere Tier- und Pflanzenarten unter einen Hut zu bekommen. Die Fläche des Fördergebiets ist sehr groß (ca. 8.200 ha). Daher kann nicht auf der gesamten Fläche kartiert werden. Es muss recherchiert werden, welche vorhandenen Kartierungen es schon gibt, wie aktuell diese sind und wie man diese Daten in die Projektkartierung integrieren kann. Außerdem sind Kartierungen nur Momentaufnahmen. Innerhalb weniger Jahre kann sich sehr viel auf einer Offenland-Fläche verändern, was die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten betrifft. Deshalb sollte immer wieder kartiert werden, um zu sehen, ob die ganzen Bemühungen, z. B. Lebensräume für seltene Arten zu erhalten, auch nicht umsonst waren. Tatsächlich soll es im chance.natur-Projekt nicht mehr so bald eine weitere Kartierung geben, aber es gibt andere Methoden, den Erfolg des Projekts nachzuvollziehen.





