Während der Streuobstanbau im 18. Jahrhundert aufgrund behördlicher Erlasse sowohl auf den Rodungsinseln im Pfälzerwald als auch am Haardtrand eine Hochphase erlebte, ist die Entwicklungsdynamik der Streuobstbestände heute durch das punktuelle Verschwinden infolge Nutzungsaufgabe bzw. Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion oder Bebauung in den Ortsrandlagen geprägt.

Im Rahmen eines deutsch franz. Interreg Projektes wurden im Jahr 2002 die Streuobstbestände im Biosphärenreservat auf der Grundlage von Orthophotos, Geländebegehungen und Expertenwissen erfasst und mit GIS verarbeitet. Danach wurden rund 1000 ha Streuobstwiesen mit rund 71.000 Einzelbäumen davon 54 % Apfelbäume gefolgt von Kirschen, Birnen und Pflaumen im Pfälzerwald kartiert. Für das Gebiet der Pfalz konnten rund 2.000 Baumobstsorten durch den Arbeitskreis historischer Obstsorten der Pfalz kartiert werden von denen lediglich 2 % als nicht gefährdet eingestuft werden können ( seltene Sorten sind z.B. die Pfälzer Obstbäume des Jahres: Heimeldinger (Apfelsorte) , Kandeler Zuckerzwetschge, Seitersbirne. Bezüglich des Baumalters waren 50 % der Bestände im Pfälzerwald in einem Alter zwischen 21 und 40 Jahre, 9 % der Bestände waren über 40 Jahre alt. Hinsichtlich des Pflegezustandes waren 46 % in einem schlechten bis mittelmäßigen Zustand. Weitere wichtige Akteure im Bereich Streuobst sind die Obst- und Gartenbauvereine, Umweltverbände, Kreisverwaltungen, Biotopbetreuer und Schulen. Verschiedene Akteure haben sich bereits der GIS Daten bedient.

Eine fortschreitende Verbuschung der Bestände als wesentlicher Faktor für deren Verschwinden ist zunehmend dort zu beobachten, wo der Wald in die Offenlandbereiche um die Dörfer hineinwächst. Andererseits können umfangreiche Entbuschungsmaßnahmen und anschließende Neuanpflanzungen (z.B. als Kompensationsmaßnahmen) sowie die Neubewirtschaftung der Flächen durch Schafbeweidungen bis zur Anlage von Sortengärten z.T. mit staatlichen Mitteln finanziert, beobachtet werden. Die zukünftige Verwertung des Obstes und eine fachgerechte Pflege ist jedoch nicht immer gesichert, denn das derzeitige Fehlen ökonomischer Anreize bei gleichzeitig mühsamer und kostenintensiver Bewirtschaftung der Hochstämme z.T. in den Hanglagen im Pfälzerwald, stellen z.Z. ungünstige Rahmenbedingungen für den Erhalt zahlreicher Streuobstbestände gerade auf solchen Grenzertragslagen dar. Interessant wäre hier die Fragestellung, inwieweit aufgegebene Streuobstflächen zukünftig als Agroforstplantagen genutzt werden können.

Eine Förderung der Vermarktung des Streuobstsaftes durch das Biosphärenreservat erfolgt zur Zeit über das Projekt Partner und über die deutsch franz. Bauernmärkte. Eine GIS Folgekartierung der Streuobstbestände ist im Handlungsprogramm des Biosphärenreservates vorgesehen. Eine engere Kooperation mit der Streuobstinitiative der Pfalz des DLR Westpfalz und dem Arbeitskreis historischer Obstsorten der Pfalz müßte zukünftig eingegangen werden. Eine Initiative für eine professionelle Streuobstsaftvermarktung mit einem erweiterten Sortiment an Produkten (Gelee, Brände etc.) ist ein zukünftiges Entwicklungsziel im BR.