Was ist Lichtverschmutzung?

„Lichtverschmutzung“ ist die Überlagerung von natürlichem Licht durch künstliches Licht. Diese Überlagerung erschwert oder verhindert den Blick auf die Sterne und weitere Himmelskörper. Der bedeckte Himmel in den Städten ist bis zu 1.500 Mal heller als der natürliche Nachthimmel, so dass sich nur noch die hellsten Sterne aber keine Himmelsphänomene wie die Milchstraße mehr erkennen lassen.

Lichtverschmutzung kann ganz unterschiedliche Ursachen haben:

  • schlechte Lichtlenkung: Licht, das beispielsweise ungebraucht in den Himmel strahlt, obwohl es die Straße erhellen soll
  • lange Leuchtdauern: Licht, welches die ganze Nacht brennt, ohne benötigt zu werden
  • hohe Blauanteile im Licht: blaues Licht wird stärker gestreut als warmweißes
  • hohe Lichtmengen: die installierte Leistung ist höher als benötigt

Folgen der Lichtverschmutzung auf…
Tiere und Pflanzen

 

Nachtaktive Insekten…

sind an die Wahrnehmung geringster Mengen natürlichen Lichts (Sterne und Mond) angepasst. Besonders empfindlich reagieren Sie auf bläuliches Licht, das sich durch niedrige Wellenlängen auszeichnet. Schlecht geplantes und gelenktes künstliches Licht hat eine anlockende Wirkung auf nachtaktive Insekten. Folgen sind Orientierungslosigkeit oder gar das Verbrennen am Leuchtkörper. Die Insekten werden regelrecht aus ihrem natürlichen Lebensraum abgeschöpft, man spricht hier vom „Staubsaugereffekt“. Bis zu 1.000 Insekten verenden so an einer einzigen Leuchte je Nacht.

Diese Insekten fehlen als Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl anderer Tierarten und können Ihrer Aufgabe als Bestäuber von diversen Pflanzen nicht mehr nachkommen. Dabei gibt es unzählige Pflanzen wie Minze und Holunder, die auf nächtliche Bestäubung angewiesen sind.

 

Nachtaktive Amphibien…

gehen in der Dunkelheit auf Beutefang. Künstliches Licht kann dieses gewohnte Jagdverhalten massiv beeinträchtigen. So führen künstliche Lichtquellen beispielsweise zur Blendung und zum Verharren von Fröschen. Erst nach einer längeren Adaptionszeit, sind sie in der Lage ihre Jagd aufzunehmen oder Artgenossen aufzuspüren. Hiervon ist die Fortpflanzung nachtaktiver Frösche massiv beeinträchtigt. Viele Arten stoßen nur bei völliger Dunkelheit Balzrufe aus, so dass Kunstlicht zu einem Rückgang der Population führen kann.

 

Vögel…

sind auf einen regelmäßigen Hell-Dunkel Wechsel angewiesen, um ihren Tagesrhythmus mit ihrer inneren Uhr zu synchronisieren. Künstliches Licht kann bei Singvögeln zu einer Verschiebung der Brutzeit führen. Dadurch kommen Jungvögel früher auf die Welt – bei suboptimalen Witterungsbedingungen. Folgen können das Erfrieren oder Verhungern durch Nahrungsmangel sein.

Auch für Zugvögel stellt Kunstlicht in der Nacht ein gravierendes Problem dar, da es die Orientierung anhand von Sternen und Mond unmöglich macht. Statt durch natürliches Licht geleitet zu werden, zieht Kunstlicht die Zugvögel an und diese verlieren so die Orientierung. Erst nach längerer Zeit finden sie ihren ursprünglichen Kurs wieder. Hierbei vergeuden sie bestenfalls nur Energiereserven und kollidieren schlimmstenfalls mit beleuchteten Gebäuden.

 

Bäume und Sträucher…

die in unmittelbarer Nähe von Straßenlaternen wachsen, werfen ihre Blätter später ab, als solche, die nicht durch Kunstlicht beeinflusst werden. Dieses Phänomen kann sich auch an einzelnen Ästen zeigen. Das verzögerte Abwerfen der Blätter macht viele Pflanzen frostanfälliger. Das kann beim Jahreswechsel zum Erfrieren führen.

 

Fische…

die lichtscheu sind verstecken sich in tieferen Gewässerschichten und werden an der Nahrungsaufnahme gehindert. Zudem werden sie in tieferen Gewässerschichten leichter zur Beute von Raubfischen. Für Fische wie den europäischen Aal stellen minimalste Beleuchtungen unüberwindbare Barrieren bei der Laichwanderung dar, deren Umgehung viel Energie kostet.

 

Menschen…

sind auf einen natürlichen Hell-Dunkel Wechsel angewiesen, um ihren Tagesrhythmus mit ihrer inneren Uhr zu synchronisieren. Durch die verschiedenen natürlichen Lichtintensitäten eines Tages wird der etwa 24-Stunden andauernde Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen ausgerichtet.

Der Hormonhaushalt des Menschen ist damit unmittelbar mit der Lichtzufuhr verbunden. So wird das Dunkelhormon Melatonin tagsüber bei hoher Lichtzufuhr geblockt und abends bei niedriger natürlicher Lichtzufuhr ausgestoßen. Es wird für einen erholsamen Schlaf benötigt. Wird der Rhythmus durch künstliche Lichtzufuhr durcheinander gebracht, kann dies beispielsweise zu Stoffwechselstörungen und Hormonimbalancen beitragen.

 

Ressourcenverbrauch…

hängt unmittelbar mit der Nutzung von Kunstlicht zusammen. Durch immer günstiger werdende Technologien, primär der Erfindung der LED-Technologie, steigt der Lichteinsatz stetig an. Das führt zu höheren Stromverbräuchen und einem vermehrten Ausstoß von CO2.

Auch die Argumentation, dass Kunstlicht in der Außenbeleuchtung die Sicherheit erhöht, konnte bereits durch eine Vielzahl von Studien entkräftet werden. Dabei hat weniger Licht sogar zu einer Reduzierung von Einbrüchen beigetragen – ein verständliches Phänomen, wenn man sich überlegt dass der Einsatz von eigenem Licht (z.B. durch Taschenlampen) auffälliger ist als die Nutzung von öffentlichem Licht.